Sturm Graz von

Jürgen Säumel "wieder bei Null"

Der Rückkehrer und Ex-Kapitän muss sich seinen alten Status neu erarbeiten

Sturm Graz - Jürgen Säumel "wieder bei Null" © Bild: GEPA/Oberlaender

Die Lücke im defensiven Mittelfeld bei Österreichs Fußball-Meister SK Sturm Graz ist seit vergangener Woche gefüllt. Nach den Abgängen von Mario Kienzl und Patrick Mevoungou mit Saisonende haben die Steirer nach langwieriger Suche nun doch noch mit Jürgen Säumel eine ideale Nachbesetzung gefunden. Der 26-jährige Steirer zeigte schon bei seinem Comeback-Einsatz am Samstag gegen Rapid, dass er der Elf von Chefcoach Franco Foda weiterhelfen kann.

Dank seiner guten Vorstellung bei seinem 70-minütigen Auftritt gegen Rapid stand der Steirer auch in der Pole-Position für den freien Platz neben Manuel Weber im Mittelfeld-Zentrum im Play-off-Hinspiel zur Champions League am Dienstagabend in Minsk gegen BATE Borisow. "Ich stelle mich dem Konkurrenzkampf. Ich bin fit und möchte der Mannschaft unbedingt helfen", sagte Säumel.

Der 141-fache Bundesligaspieler (neun Tore) hat den Club vor drei Jahren als Kapitän und ÖFB-Teamspieler verlassen, dieses Standing muss er sich nun erst wieder erarbeiten. "Ich habe eine schöne Zeit gehabt bei Sturm, aber jetzt fange ich wieder bei Null an", ist sich Säumel bewusst.

In seiner dreijährigen Abwesenheit hat sich beim Titelverteidiger einiges zum Positiven entwickelt. "Es ist schon beeindruckend, wenn man sich anschaut, welche Erfolge die Mannschaft in der letzten Zeit gefeiert hat", sagte Säumel. Die Grazer standen in der Europa-League-Gruppenphase (2009), gewannen den ÖFB-Cup (2010) und zuletzt den Meistertitel (2011).

Zur Rückkehr winkt die Champions League
Jetzt könnte auch noch der Einzug in die Champions-League-Gruppenphase dazukommen. "Die Mannschaft hat bis jetzt schon Großartiges geleistet. Der Einzug in die Champions League wäre aber für jeden, glaube ich, dass Größte, was er erreichen kann", betonte Säumel. Vor allem auch für den Defensivspieler. "In den großen Zeiten von Sturm war ich Balljunge, da habe ich dem Mario Haas den Ball zugeschupft. Jetzt hoffe ich, dass ich in der heurigen Champions-League-Gruppenphase gemeinsam mit ihm am Platz stehen kann", gab sich Säumel kämpferisch.

Im Vergleich zur Vergangenheit erstrahlt auch das Trainingszentrum in Messendorf in neuem Glanz. "Wir haben tolle Bedingungen, können super arbeiten", lobte Säumel seinen "Arbeitsplatz". Das Trainerteam ist seit damals unverändert geblieben, auch mit einigen Spielern wie Mario Haas, Samir Muratovic und Co. hat Säumel, der das familiäre Umfeld und das tolle Mannschaftsklima bei Sturm schätzt, schon gemeinsam gekickt.

Wichtige Auslands-Trips
Die Auslands-Erfahrungen möchte er nicht missen. "Ich bin persönlich gereift, habe viel dazugelernt. Natürlich macht man im Ausland Fehler, die man jetzt nicht mehr machen würde, aber zu dem Zeitpunkt, in dem ich die Entscheidungen getroffen habe, war ich zu hundert Prozent davon überzeugt, dass es die Richtigen sind", meinte Säumel.

Ein Engagement im Ausland bleibt für den "Sechser" auch weiterhin Thema, hat er doch noch einen Großteil seiner Karriere vor sich. "Jetzt bin ich gerade erst angekommen und froh, wieder hier zu sein. Momentan konzentriere ich mich voll auf Sturm, alles andere wird die Zukunft zeigen", sagte Säumel. Über Sturm will sich der Steirer, der für seine Rückkehr finanzielle Abstriche in Kauf nahm, auch wieder für das Nationalteam empfehlen, für das er bisher 19 Partien bestritten hat.

Ein Jahr mit Option
Säumel hatte am Montag vor einer Woche einen Einjahresvertrag mit Option unterschrieben, am Dienstag erstmals mit der Mannschaft trainiert und am Samstag gegen Rapid sein Comeback gegeben, das aufgrund von Krämpfen vorzeitig zu Ende war. "Ich habe im Urlaub versucht, mich fit zu halten, habe viel im Ausdauer- und Kraftbereich gearbeitet. Das Mannschaftstraining hat mir aber natürlich gefehlt", sagte Säumel, der über seinen guten Premierenauftritt selbst überrascht war.

Foda hatte Säumel von Beginn an das Vertrauen geschenkt und hält große Stücke auf den 26-Jährigen. "So lange es mit der Kraft gepasst hat, hat er gegen Rapid eine starke Leistung gebracht", resümierte ein zufriedener Sturm-Coach. Der defensive Mittelfeldspieler könne seiner Truppe entscheidend weiterhelfen. "Und er ist fußballerisch und menschlich schwer in Ordnung", lobte Foda den Sturm-Rückkehrer.