Sturm kehrt auf die große Bühne zurück:
Nach siebenjähriger Auszeit wieder dabei

Beichler: "Schönster Tag in meinem Fußballerleben" Europacup-Aufstieg wichtig für Image und Finanzen

Sturm kehrt auf die große Bühne zurück:
Nach siebenjähriger Auszeit wieder dabei © Bild: APA/EPA/Dolzhenko

Die Champions-League-Zeiten in der Ära von Ex-Präsident Hannes Kartnig (1998/99, 1999/2000 und 2000/01/Zwischenrunde) liegen noch weiter zurück. "Das ist ein Traum, jetzt darf man wieder ein bisschen von den glorreichen Zeiten träumen", war Präsident Hans Rinner nach dem Schlusspfiff die Freude ins Gesicht geschrieben. Für ihn waren es in der vierten Qualifikationsrunde mit Sicherheit die besten beiden Partien von Sturm in vielen, vielen Jahren.

Aufstiegsgarant war der 20-jährige Beichler, der an vorderster Front wirbelte, wie schon im Hinspiel (1:1) den entscheidenden Treffer nach Ideal-Zuspiel von Samir Muratovic beisteuerte und den UEFA-Cup-Achtelfinalisten des Vorjahres damit quasi im Alleingang k.o. schoss. "Das ist der schönste Tag in meinem Fußballerleben", sagte der ÖFB-Teamspieler. Er sei vor dem Spiel den ganzen Tag nervös gewesen, "weil ich gewusst habe, dass wir es packen."

Imagemäßig wichtig
Als Draufgabe gibt es für Kapitän Andreas Hölzl und Co. nun zumindest sechs weitere Spiele auf europäischer Ebene. "Wir sind in Europa wieder live dabei, der Aufstieg war imagemäßig für den Verein sehr wichtig", betonte Präsident Rinner.

Zudem lohnt sich das Weiterkommen auch aus finanzieller Sicht. Neben einem Startgeld von 600.000 Euro gibt es für jede Partie noch extra 50.000 Euro. Mit den Zuschauereinnahmen aus den drei wahrscheinlich ausverkauften Heimspielen wird sich diese Summe also weit über eine Million Euro erhöhen. "Wir hatten es nicht budgetiert, es ist finanziell eine große Erleichterung", meinte der 46-jährige Sturm-Präsident.

Erfolg trotz vieler Ausfälle
Der Tabellenvierte der abgelaufenen Meisterschaft lieferte im Metalist-Stadion eine Top-Leistung ab, ließ nur wenige Torchancen zu. Und dass obwohl mit Haas, Kienzl und Lamotte drei Stammspieler verletzungsbedingt nicht dabei waren und sich der gelernte Innenverteidiger Sonnleitner, der nur in der Anfangsphase Schwächen zeigte, neuerlich auf der rechten Abwehrseite versuchen musste.

"Die Mannschaft hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie für höhere Aufgaben in Europa prädestiniert ist. Alle von der Nummer eins bis elf haben wirklich toll gespielt", lobte Foda seine Kicker. Besonders erfreulich war für den Deutschen, dass der Erfolg absolut verdient war. "Ich bin stolz, die Mannschaft hat in der Höhle des Löwen bestanden. Und es war kein Zufallssieg", fügte der Sturm-Trainer hinzu.

Chancenverwertung verbesserungwürdig
Einziges Manko der Grazer war wie schon im Hinspiel (1:1) sowie in der Meisterschaft am Wochenende zu Hause gegen die Austria (0:1) die Chancenauswertung. Nach der Pause hätten Beichler, Muratovic oder Hölzl die Partie mit einem Tor zum 2:0 entscheiden müssen. "Mir ist egal, was die Leute reden. Heute hat ein Tor gereicht", wollte sich Beichler nicht mehr länger mit dem leidigen Thema beschäftigen. Ganz im Gegenteil zu Abwehrspieler Ferdinand Feldhofer, der zu Bedenken gab: "Auf internationaler Ebene musst du normal das 2:0 machen, wenn du erfolgreich sein willst."

Dieses Mal brachten die "Blackies" den Sieg allerdings gekonnt über die Zeit, und die mitgereisten 140 Sturm-Fans konnten genauso wie die Spieler und der Vorstand jubeln und feiern. "Ich fühle mich unglaublich, bin so stolz. Es war ein harter Kampf, aber wir haben als Mannschaft super gespielt", sagte Jung-Teamspieler Jakob Jantscher. Dem stimmte auch Peter Hlinka zu: "Die ganze Mannschaft hat verteidigt, der Teamspirit hat gesiegt."

Kein Jausengegner mehr
Goalie Christian Gratzei konnte sich in einer ersten Emotion einen Seitenhieb in Richtung des Millionärs-Club aus der Ukraine nicht verkneifen. "Ich denke, dass sich der Manager von Charkiw beim nächsten Mal nicht mehr freuen wird, wenn er uns als Gegner zugelost bekommt", sagte der 27-jährige Schlussmann.

Als "Zuckerl" für den geschafften Aufstieg strich Coach Foda das für Freitagvormittag noch vor dem Abflug nach Graz angesetzte Training in Charkiw.

(apa/red)