Stürzte am 11. September als Letzter ein: World Trade Center Turm 7 wiedereröffnet

Nun als erster Turm am 'Ground Zero' fertiggestellt Mieterandrang hält sich bisher noch in engen Grenzen

Am 11. September 2001 war er der letzte Turm, der in sich zusammenfiel - nun ist er als erster wieder aufgebaut worden: "7 World Trade Center" lautet der Name des neuen Office-Buildings am Ground Zero in New York. Mit ihm soll neues Leben in diesen Teil der Stadt zurückkehren, wie Investor Larry Silverstein hofft. Der Mieterandrang hält sich vorerst allerdings noch in Grenzen.

Davon konnte sich auch eine Wiener Delegation überzeugen, die den 52 Stockwerke umfassenden, mehr als 200 Meter hohen Turm unmittelbar nach der Eröffnung besucht hat. In einer Etage ist das große Büro, in dem kürzlich geschäftiges Treiben herrschte, sogar bereits wieder verschwunden. Es war nur Filmkulisse. Tatsächlich vermietet sind derzeit nur rund 20 von 42 vermietbaren Stockwerken.

Die österreichischen Gäste - unter anderem die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank, ihr Vorgänger Walter Nettig sowie die Generalkonsulin in New York, Brigitte Blaha - konnten sich im Besucherzentrum des gläsernen Turmes darüber informieren, wie das Ground-Zero-Areal in Zukunft aussehen soll. Dabei werden nicht nur herkömmliche Modelle gezeigt, auch ein virtueller Spaziergang ist möglich.

Streit um Gedenkstätte
Neben dem "Freedom Tower" von Daniel Libeskind wird Silverstein auch die Türme WTC 2, 3 und 4 bauen. Dazu sollen unter anderem ein Gebäude der Hafenbehörde, ein Theater, ein Museum sowie das vom jungen israelischen Architekten Michael Arad konzipierte Mahnmal kommen. Während Silverstein nach längerem Tauziehen die weiteren Projekte in Angriff nehmen kann, tobt um die Finanzierung und die Umsetzung des Memorials ein heftiger Streit.

Weit beeindruckender als alle Modelle ist jedoch ein Blick aus dem Fenster. Dort wo einst die Zwillingstürme standen (mit denen Nummer 7 durch eine Fußgängerbrücke verbunden war), klafft jetzt das Loch von Ground Zero. Die darin herumkurvenden Baufahrzeuge wirken wie Spielzeug. Beschäftigt sind sie derzeit vor allem mit dem Legen von Fundamenten. Und so kann man bereits erahnen, wo der 541 Meter hohe "Freiheitsturm" stehen wird. Auch die Umrisse des Memorials sind schon erkennbar.

Skulptur soll Farbe bringen
Direkt vor "7 WTC" bringt eine Skulptur von Jeff Koons Farbe in die Tristesse der Umgebung. "Wir wollten einen öffentlichen Platz kreieren, hier, an einer Stelle, die öffentliches Leben ganz dringend braucht", sagte eine Silverstein-Sprecherin. "Ballon Flower (Red)" kann die bedrückende Stimmung jedoch nicht vertreiben, denn die Bauzäunen von Ground Zero schließen unmittelbar an den Platz an. Auch aktuelle Zeitungsschlagzeilen wie "The 9/11 Memorial Fiasco" (New York Magazine) tragen nicht wesentlich zur Verbesserung der Stimmung bei.

Die weiteren Türme sollen ab 2007 in die Höhe wachsen. Geht alles nach Plan, sind die Arbeiten bis 2012 abgeschlossen. Möglich ist auch, dass sich österreichischen Firmen - in welcher Form auch immer - daran beteiligen. Zumindest gibt es Bestrebungen der Wirtschaftskammer, heimischen Unternehmen hier in Zukunft Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen. (APA/red)