Stürmische Zeiten in Down Under: 'Glenda' tobte über der Nordwestküste Australiens

Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h PLUS: BILDER - Wirbelsturm "Larry" tobt sich aus!

Eineinhalb Wochen nach dem zerstörerischen Zyklon "Larry" hat ein zweiter schwerer Wirbelsturm über Australien getobt und Verwüstungen angerichtet. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern und sintflutartigem Regen wütete "Glenda" am Donnerstag an der Nordwestküste des Fünften Kontinents, entwurzelte Bäume und kappte Stromleitungen.

Die Behörden erklärten angesichts des schwersten Sturms in Westaustralien seit Menschengedenken den Katastrophenzustand. Über Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Tausende Menschen in der dünn besiedelten Bergbauregion Pilbara überstanden "Glenda" daheim oder in sicheren Unterkünften.

Der Zyklon war kurz vor seiner Ankunft in die zweithöchste Kategorie 4 zurückgestuft worden. Bei hunderten Einwohnern der Gegend fiel nach dem Eintreffens des Wirbelsturms der Strom aus, weil umherfliegende Trümmer die Leitungen gekappt hatten. Schulen wurden geschlossen, der Flugbetrieb eingestellt.

"Das ist der schlimmste Sturm dieser Saison, und er wird ein Riesenproblem für eine ganze Menge Orte", sagte der für Katastrophenschutz zuständige Minister im Bundesstaat Westaustralien, John D'Orazio. Nur einige hundert Menschen hatten die Region wegen des Zyklons verlassen.

Für den Rinderzüchter Richard Climas in Mardie Station war "Glenda" schon der vierte Wirbelsturm in diesem Jahr. "Die anderen waren verglichen mit dem hier nur eine Meeresbrise", sagte er der australischen Nachrichtenagentur AAP. Seine 8.000 Tiere waren zuvor ins Landesinnere gezogen, Climas selbst suchte Schutz in seiner sturmsicheren Küche. "Das Vieh scheint mit den Stürmen besser klar zu kommen als wir", sagte er. "Die wissen, was zu tun ist."

Wirtschaftlich wichtige Minenstädte in Pilbara blieben von der größten Wucht des Zyklons unterdessen verschont. Die dort operierenden Bergbaukonzerne hatten schon vor Ankunft des Wirbelsturms die Verschiffung von Eisenerz eingestellt. Die Unternehmen erwarteten durch den Sturm einen Produktionsausfall in Höhe von vielen Millionen Euro. Frachter wurden auf hohe See geschickt, um dort den Zyklon abzuwettern.

Meteorologe Grahame Reader vom australischen Wetterdienst sah keine konkrete Ursache für die augenscheinliche Häufung von schweren Wirbelstürmen über dem Fünften Kontinent. "Ich denke, das sind einfach natürliche Schwankungen", sagte er dem australischen Rundfunksender ABC. "Ich glaube nicht, dass man mit Blick auf den Klimawandel irgendwelche Schlussfolgerungen ziehen kann."

Erst am Montag vergangener Woche hatte der Zyklon "Larry" mit dem Nordosten die andere Seite Australiens heimgesucht und eine Schneise der Verwüstung geschlagen. Rund 7.000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Die Behörden bezifferten den Schaden an Gebäuden und in der Landwirtschaft auf umgerechnet rund 600 Millionen Euro. Wie durch ein Wunder hatte es nur einige Dutzend Leichtverletzte gegeben.

(apa/red)