Studien belegen: Kein Zusammenhang von Ausländeranteil und Gewalt an Schulen

Jeder zehnte Schüler wird häufig körperlich attackiert Psychologinnen entwickeln soziales Kompetenztraining

Keinen systematischen Zusammenhang zwischen Ausländern und Gewalt an Schulen hat die Dekanin der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien, Christiane Spiel, in ihren Studien zu diesem Thema festgestellt. Demnach wird im Mittel fast jeder zehnte Schüler von Mitschülern regelmäßig körperlich attackiert, noch mehr berichten von regelmäßigen verbalen Beleidigungen.

Von den Wissenschaftern an der Psychologie-Fakultät der Uni Wien wurden in den vergangenen Jahren eine Reihe von Studien zum Vorkommen von aggressivem Verhalten an österreichischen Schulen durchgeführt. Unter der Leitung Spiels haben dabei Moira Atria und Dagmar Strohmeier mehr als 2.000 Schüler von der vierten bis zur elften Schulstufe über regelmäßige verbale Übergriffe, physische Attacken und soziale Ausgrenzung durch Mitschüler befragt.

Große Bandbreite
Dabei stellten die Psychologinnen große Schwankungen fest: In manchen Klassen gebe es weder Täter noch Opfer, in anderen sei die Zahl extrem hoch. "Der Mittelwert sagt über eine einzelne Klasse nichts aus", so Spiel.

Kein Zusammenhang Gewalt - Ausländer
Weder in Wien noch in anderen Regionen habe man aber einen systematischen Zusammenhang zwischen Ausländern und der Gewalt festgestellt - unabhängig vom Schultyp. "Natürlich kann in Ausländer-Klassen auch einmal viel Gewalt sein, aber es gibt keinen systematischen Zusammenhang", so Spiel. Tendenziell seien sogar eher die Österreicher häufiger Täter und Opfer, obwohl man dies auf Grund der unterschiedlichen Ausländeranteile nicht wissenschaftlich exakt sagen könne.

Auch "Gaffer" sind beteiligt!
Zur Vermeidung von Gewalt haben die Psychologinnen ein soziales Kompetenztraining entwickelt. Dabei gebe es mehrere Zugänge: Einerseits könne man sagen, dass es in Gewaltsituationen nicht nur Täter und Opfer gebe - vielmehr sei jeder beteiligt, auch wenn er "nur" anfeuert oder wegschaut. Solche Trainings seien dann am erfolgreichsten, wenn man sage, dass alle Beteiligten verantwortlich sind.

Handlungsalternativen vermitteln
Für den zweiten Zugang geht man davon aus, dass jene Personen, die gewalttätig reagieren, dazu neigen, eine unklare Situation nur in eine Richtung zu interpretieren - nämlich in Richtung Bedrohung. Für die Bewältigung stünden ihnen meistens keine großen Handlungsalternativen zur Verfügung als eben Gewalt. Ein Training ziele darauf ab, den Personen klarzumachen, dass die gleiche Situation auch unterschiedlich interpretiert werden kann, und ihnen darüber hinaus Handlungsalternativen zu vermitteln.

Medikamente gegen Aggression
Ein solches Training dauert allerdings lange: Bestimmte Handlungsmuster verlerne man nicht an einem Tag, so Spiel. Daher gelte es auch, möglichst früh mit ihnen zu beginnen. Neben diesen sozialen Trainings komme in Einzelfällen auch eine medikamentöse Behandlung in Frage: Gewalt habe zum Teil auch mit Genetik zu tun und könne im Zusammenhang mit Testosteron stehen.

Österreich im Mittelfeld
International liegt Österreich mit der Gewalt an Schulen in etwa im Mittelfeld, meinte Spiel. Bestimmte Formen der Gewalt wie Vandalismus seien hierzulande im Gegensatz zu Frankreich oder Skandinavien aber weniger ausgeprägt. (APA/red)