Studie von

Viele Österreicher hatten
Kontakt mit Hepatitis E-Virus

Untersuchung mit rund 1.000 Probanden zur Häufigkeit dieser Virus-Hepatitis-Infektion

Hepatitis © Bild: Thinkstock

Während die Hepatitis A ("Reisehepatitis"), die Hepatitis B und C auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind, ist das eine weitere durch Viren bedingte Leberentzündung nicht: Hepatitis E. Dabei hat zumindest etwa jeder zehnte Österreicher bereits Kontakt mit dem Virus gehabt. Das hat jetzt die erste bundesweite wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Thema ergeben.

"In einer epidemiologischen Studie wurden 997 gesunde Freiwillige, ausschließlich Berufssoldaten und Zivilisten (alle Anwärter für internationale Friedenseinsätze des österreichischen Bundesheeres; Anm.) auf Antikörper gegen Hepatitis E-Viren (HEV; Anm.) untersucht. Insgesamt zeigten 14,3 Prozent einen positiven Antikörperbefund", sagte Heimo Lagler von der MedUni Wien gegenüber der APA.

Die von der Wissenschaftskommission des österreichischen Bundesheeres finanzierte Studie erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Dermatologie und Tropenmedizin und dem Institute of International Medical Support (IMS) des Heeresspitals Wien einerseits und der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin der Universitätsklinik für Innere Medizin 1 der MedUni Wien im AKH andererseits und ist vor kurzem in "PloS One" erschienen. Lagler: "Solche Studien hat es bisher vereinzelt in anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, Deutschland und der Schweiz gegeben. Es ist aber die erste bundesweite in Österreich."

Viele Fragen ungeklärt

Bei der Hepatitis E sind noch viele Fragen ungeklärt. "Die Krankheit ist so ähnlich wie die Hepatitis A und wurde früher in Europa ausschließlich mit Reisetätigkeit in Verbindung gebracht. Man glaubte, dass HEV nur in Ländern mit schlechteren hygienischen Bedingungen über humane Fäkalien in Wasser und Lebensmittel übertragen werden kann", so der Experte.

Das trifft auf zwei Varianten des Virus (HEV vom Genotyp 1 und 2) zu. In Industrieländern werden aber auch Infektionen mit HEV vom Genotyp 3 registriert. Dieser Genotyp 3 konnte in den vergangenen Jahren auch in Tieren, wie zum Beispiel bei Haus- und Wildschweinen, nachgewiesen werden. Hier kommt auch eine Übertragung durch Fleisch und Fleischprodukte in Frage.

Deutliche Altersabhängigkeit

Jedenfalls zeigte sich eine deutliche Altersabhängigkeit der Häufigkeit der positiven Antikörperbefunde: 18- und 19-jährige Männer sind in Österreich zu acht Prozent bereits mit HEV in Kontakt gekommen, 30- bis 39-Jährige zu 13 Prozent. Bei den 50- bis 60-Jährigen sind es bereits 57 Prozent. "Das sind hohe Werte und vergleichbar mit einzelnen Regionen in Europa", erläuterte Lagler.

Soldaten, die sich im Auslandseinsatz befunden haben, sind jedenfalls einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt: Insgesamt 21,4 Prozent sind HEV-positiv, hingegen 9,9 Prozent der Zivilisten. Unter den österreichischen Berufssoldaten im Alter zwischen 30 und 39 Jahren wurde eine Häufigkeit von 20,2 Prozent registriert, in der "zivilen" Vergleichs-Altersgruppe hingegen eine von 7,3 Prozent.

Die Bedeutung der Infektion als Krankheit ist unterschiedlich. Bei Menschen mit normalen Abwehrkräften heilt die Infektion zumeist aus. Anders ist das bei Immunsupprimierten. So können bei Immungeschwächten schwere chronische Verläufe auftreten. Auch bei Schwangeren kann bei einer Infektion mit HEV die Mortalität erhöht sein.

Im Gegensatz zur Hepatitis A und B gibt es allerdings bei HEV noch keine Prophylaxe durch eine Impfung. Auch eine ursächliche Therapie, anders als bei Hepatitis B oder C, konnte bisher nicht entwickelt werden.

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