Studie: Jedes zweite bei Verkehrsunfällen getötete Kind könnte noch am Leben sein

Bessere Sicherung kann Verletzungen verhindern Organisation fordert das Verbot billiger Kindersitze

Studie: Jedes zweite bei Verkehrsunfällen getötete Kind könnte noch am Leben sein

Jedes zweite in der Steiermark bei Verkehrsunfällen getötete Kind könnte laut einer Studie der Organisation "Große schützen Kleine" und der Technischen Universität Graz mit sachgemäßer Sicherung noch leben. Die wissenschaftlich fundierten Zahlen beziehen sich auf rund 450 steirische Verkehrsunfälle aus den Jahren 2003 und 2004, die nachgestellt und simuliert wurden, sowie auf knapp 1.000 Befragungen von Volksschulkindern. Die Studienautoren forderten ein Verbot von Billigkindersitzen und Zuschüsse beim Kauf hochwertiger Produkte.

Trotz sinkender Unfallzahlen starben 2006 österreichweit 23 Kinder bei Verkehrsunfällen - 2003 und 2004 waren es in der Steiermark insgesamt zehn. Annelie Weinberg von der Universitätsklinik für Kinderchirurgie Graz erklärte, dass es bei der Aufnahme von verunglückten Kindern eine Diskrepanz zu oft kaum verletzten erwachsenen Unfalllenkern gab. Darum habe man sich mit der Exekutive, den Gerichtsgutachtern und dem Frank Stronach Institute (FSI) an der Technischen Universität Graz (TUG) zusammengetan, um die Gründe zu erforschen.

Das Ausgangsmaterial
446 Verkehrsunfälle nahm man unter die Lupe - 91 Fälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen wurden in die Studie aufgenommen. Von den zehn getöteten Kindern, waren sechs Urlaubsreisende. Dieser hohe Anteil liege daran, weil Urlauber oft übermüdet bei hohen Geschwindigkeiten auf den Autobahnen fahren, die Kinder vermehrt im Auto liegend schlafen und dabei oftmals schlecht gesichert sind, so Studienautor Peter Spitzer.

Elefant am Rücksitz
Spitzer erklärte, dass bei jenen Fällen, bei denen vier österreichische Kinder verstarben, nur ein Lenker getötet, einer schwer verletzt und zwei leicht verletzt wurden. Dieser Vergleich lasse darauf schließen, dass zumindest zwei der Kinder den Unfall hätten überleben müssen, so Spitzer. Ein ungesichertes Kind oder Haustier am Rücksitz sei, "als ob man einen Elefanten sitzen" habe, denn 30 Kilogramm würden bei einem Aufprall mit 40 km/h wie eine Tonne wirken.

Optimale Sitze
Die häufigsten Fehler bei der Sicherung des Nachwuchses passieren beim Wechsel der Vorrichtungen je nach Größe und Alter. Der optimale Schutz für Kinder seien Sitze mit Rückenlehnen, die auch noch während des Volksschulalters verwendet werden können. Mit ihnen seien 50 Prozent der Kopfverletzungen bei Fünf- bis Zehnjährigen vermeidbar, so der Experte.

Verbot von Billigsitzen?
Die Organisation forderte auf Grund der Studienergebnisse das Verbot von Billigsitzen ohne Gurthaken. Der Kauf eines hochwertigen Sitzes, der zwischen 120 und 150 Euro koste, sollte entweder bezuschusst oder die Mehrwertsteuer - wie in Großbritannien - auf fünf Prozent gesenkt werden. (APA/red)