Erklärungsversuch von

Wo geht’s hier zum Stubentor?

Darum benennt man Verkehrsknotenpunkte nach Orten, die es längst nicht mehr gibt

Wolfgang Kralicek © Bild: NEWS

Wer neu in der Stadt ist und an den Wiener U-Bahn-Stationen Schottentor (U2) oder Stubentor (U3) aussteigt, wird sich vielleicht wundern, dass er dort kein Tor vorfindet. Mit den Wiener Stadtmauern wurden vor mehr als 150 Jahren auch die Stadttore geschleift, nur im U-Bahn-Netz leben sie weiter. (Ähnlich verhält es sich übrigens mit der Liliputbahn im Prater, wo es immer noch eine Station "Rotunde" gibt – obwohl das gleichnamige Gebäude vor bald 80 Jahren abgebrannt ist.) Warum benennt man Verkehrsknotenpunkte nach Orten, die es längst nicht mehr gibt? Zunächst aus demselben Grund, aus dem man Straßennamen nach verstorbenen Persönlichkeiten benennt: Man will an sie erinnern. In diesem Fall aber könnte auch ein städteplanerisches Motiv mitspielen: Indem man die Tore virtuell stehen lässt, weist man auf topografische Strukturen hin, die sonst verschüttgingen.

Faszinierenderweise funktioniert das sogar irgendwie: Unterbewusst betritt man die City in der Schottengasse und in der Wollzeile durch Tore – abgesehen davon, dass bei der Station Stubentor auch Reste des Mauerwerks freigelegt wurden. Schade nur, dass die Endstation der Buslinie 13A jetzt "Hauptbahnhof" heißt. Aber wahrscheinlich wäre "Südbahnhof" dann doch zu verwirrend gewesen.

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