"Strukturelle Probleme"? von

Misshandlungsverdacht
im Spital

"Strukturelle Probleme"? - Misshandlungsverdacht
im Spital © Bild: APA/ERWIN SCHERIAU

Nach den Misshandlungsvorwürfen in einem Grazer Spital orten die steirischen Grünen sehr wohl "strukturelle Probleme".

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) hatte das am Dienstag bei der Ankündigung einer unabhängigen Kommission von sich gewiesen. Noch am Dienstagabend sagte der Grazer Alt-Bürgermeister Alfred Stingl (SPÖ) dem Landesrat zu, die Kommission zu leiten.

Grazer Alt-Bürgermeister leitet Kommission

Die Grüne Landtagsabgeordnete Sandra Krautwaschl stützte ihre Kritik und den Vorwurf von strukturellen Problemen auf Pflegeombudsfrau Renate Skledar und die Volksanwaltschaft. "Immer wenn wir Grüne nach dem Erscheinen der Berichte entsprechende Anträge eingebracht haben, um die Situation zu verbessern, wurden sie von ÖVP und SPÖ abgelehnt - die Hinweise und Anregungen von den Experten wurden nicht ernst genommen", so Krautwaschl.

Beispielsweise sei bereits 2015 im von der Landesregierung beauftragten Bedarfs- und Entwicklungsplan explizit erwähnt worden: "Psychiatrische Patientinnen und Patienten ohne Pflegebedarf sind, wenn notwendig, - im Sinne des 'Normalitätsprinzips', um Hospitalisierungseffekte zu vermeiden bzw. die Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit zu erhalten/zu fördern -, in kleinen Wohneinheiten adäquat untergebracht." Doch "leider fehlt nach wie vor ein ausreichendes Angebot an kleinen und wohnortnahen Einheiten", kritisierte Krautwaschl, die das Thema im Rahmen einer "Dringlichen Anfrage" vor einem Jahr im Landtag nach einem Bericht der Volksanwaltschaft in den Mittelpunkt gestellt hatte.

Expertengruppe

Krautwaschl will nun im Herbst neuerlich im Landtag aktiv werden und hofft, "dass SPÖ und ÖVP vor dem Hintergrund der aktuellen Fälle endlich auch bereit sind, konkrete und dringend notwendige Maßnahmen zu beschließen und umzusetzen."

Drexler hatte noch Dienstagabend nach der Pressekonferenz mit der Ankündigung einer Kommission mit Alt-Bürgermeister Stingl ein Gespräch geführt und ihn als Leiter dieser Expertengruppe vorgeschlagen und gewonnen. Das frühere Stadtoberhaupt hatte sich fünf Jahre lang zu Hause um seine Ehefrau Eleonore, die nach einem Schlaganfall pflegebedürftig war, gekümmert. Im vergangenen März starb "Elli" Stingl. Die beiden waren seit 1960 verheiratet.

Die weiteren Mitglieder - abgesehen von Pflegeombudsfrau Skledar - sind noch nicht bekannt. Drexler will in den kommenden Tagen noch Gespräche mit jenen führen, die für geeignet gehalten werden. Wie viele Köpfe die Expertengruppe umfassen wird, sei ebenfalls noch offen.

Vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass vier Pflegekräfte betagte Frauen und Männer in der Alterspsychiatrie des LKH Graz Süd-West Standort Süd misshandelt haben sollen. Sowohl von verbalen als auch von körperlichen Angriffen ist in einer entsprechenden Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Graz zu lesen. Eine Mitarbeiterin, die offenbar selbst verbalen Attacken ausgesetzt war, hatte die Vorfälle der Spitalsleitung gemeldet. Die Kriminalpolizei wurde bereits mit den Ermittlungen betraut.

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