Strittige Wahltechnik wieder im Einsatz:
Alte Maschinen spielen heuer wieder mit

Nur ein Prozent wählt noch mit Wahlzettel aus Papier Unsauber gestanzte Lochkarten brachten 2000 Fiasko

Strittige Wahltechnik wieder im Einsatz:
Alte Maschinen spielen heuer wieder mit © Bild: APA/EPA/Cavanaugh

Schlampig geführte Verzeichnisse, verwirrende Stimmzettel, aber vor allem antiquierte und defekte Wahlmaschinen sowie unsauber gestanzte Lochkarten machten das Rennen um das Amt des Präsidenten im Jahr 2000 zu einem Fiasko. Die Stimmenauszählung wurde damals sogar ein Fall für den Obersten Gerichtshof, weil das Ergebnis im US-Staat Florida strittig war. Nach einer fünfwöchigen Zerreißprobe wurde George W. Bush mit einem hauchdünnen Vorsprung von 537 Stimmen im entscheidenden Florida Präsident der Vereinigten Staaten. Nichtsdestotrotz gibt es in den USA immer noch die problematischen Lochkarten und mechanischen Wahlmaschinen zur Stimmenabgabe.

Nach diesem Versagen sollte eigentlich jeder US-Staat sicherstellen, dass die Lochkarten und mechanischen Hebel-Wahlmaschinen bis zu den ersten Wahlen für ein Bundesamt nach dem 1. Jänner 2006 abgeschafft und durch andere Methoden ersetzt werden. Das steht zumindest in Abschnitt 102 des "Help America Vote"-Gesetzes (kurz "HAVA"), das der US-Kongress im Jahr 2002 verabschiedete. Für die Modernisierung wird den einzelnen Staaten Geld zugesprochen. Die als unzuverlässig geltenden Verfahren hätten damit eigentlich bis zur Wahl am 4. November abgeschafft werden müssen.

Idaho weiter mit Lochkarten
Viele US-Staaten haben ihre Wahltechniken auch tatsächlich erneuert. In New York und Pennsylvania werden aber auch bei der Wahl im November 2008 mechanische Hebel-Wahlmaschinen im Einsatz sein, die umstrittenen Lochkarten zur Stimmenabgabe gibt es nach wie vor in Idaho. Das geht aus einer Aufstellung der verwendeten Wahltechniken des US-Forschungsinstituts "Pew Center", das mit den Reformen beauftragt wurde, hervor.

In den USA gibt es verschiedene Möglichkeiten, zu wählen, wobei in den meisten Staaten mehrere Methoden verwendet werden: Man kann einen Wahlzettel aus Papier ausfüllen, einen Hebel an der mechanischen Wahlmaschine bedienen oder mittels Lochkarte wählen. Neuere Methoden sind der optische Scan, bei dem mit einem speziellen Schreibwerkzeug am Bildschirm gewählt wird, und "DRE" (Direct Recording Electronic Technology), die Stimmenabgabe per Knopfdruck oder Touchscreen. In einigen Staaten kann man auch per Telefon oder Postsendung wählen. Ausgezählt werden die Stimmen entweder per Hand, maschinell oder vom Computer.

Nur noch ein Prozent wählt mit Zettel
Seit 2002 gibt es in Verbindung mit der elektronischen Methode DRE, deren Software Kritiker als besonders anfällig für Manipulationen erachten, auch das "VVPAT"-System (Voter Verified Paper Audit Trail Printers). Der Wähler kann damit gleich nach seiner Stimmenabgabe überprüfen, ob seine Stimme richtig gezählt wurde - das soll helfen, einerseits eventuellen Wahlbetrug und andererseits mögliche technische Fehler der Maschinen nachzuweisen.

Laut Eric Fischer, Experte für Wissenschaft und Technologie im Forschungsdienst des US-Kongresses, benutzte bei der Präsidentschaftswahl 2004 nur noch ein Prozent der Wähler einen Papierzettel, 14 Prozent verwendeten eine Hebelmaschine und 13 Prozent eine Lochkarte. 35 Prozent gaben ihre Stimme bereits per optischem Scanner, rund 30 Prozent per DRE ab.
(apa/red)