Streitfall Stadion Rothneusiedl: Grüne
kritisieren "absurde" Projektentwicklung

Mangelnde Verkehrsanbindung weiter Streitpunkt Regierende SPÖ verweist auf Happel-Stadion

Die Wiener Grünen haben am Freitag erneut das Stadionprojekt in Rothneusiedl ins Visier genommen. Gemeinderat Christoph Chorherr sprach bei einer Pressekonferenz von einer der "absurdesten und intransparentesten Entwicklungen" in der Wiener Stadtplanung. Er bekräftigte etwa seine Kritik an der Verkehrsanbindung. Denn das zukünftige Austria-Stadion - das von Frank Stronachs Magna geplant wird - wird vermutlich für Jahre ohne U-Bahn-Anschluss auskommen müssen.

Denn als Eröffnungstermin für die Arena wird stets 2010 bzw. 2011 genannt. Die Verlängerung der U1 bis Rothneusiedl wird jedoch frühestens 2015 erfolgen. Diesen Zeitpunkt hat eine Mitarbeiterin der zuständigen MA18 gegenüber der APA zuletzt genannt. Verkehrs- und Planungsstadtrat Rudolf Schicker hat den Termin bestätigt und vom Einsatz eines Pendelbusses gesprochen.

Chorherr reagierte mit Spott auf diese Ankündigung des, wie er sagte, "großen Visionärs und Stadtplaners" Schicker. Für die Anfahrt mit dem Bus ist laut Chorherr etwa die Überquerung der Donauländebahn notwendig, deren Schranken in diesem Bereich häufig geschlossen sind. Außerdem sei nicht nur der Bau eines Stadions geplant, sondern auch die Errichtung eines großen Einkaufszentrums.

Wobei Chorherr bezweifelte, dass die U-Bahn-Fertigstellung überhaupt bis zum Jahr 2015 erfolgen wird: "Erfahrungsgemäß kommt es bei so großen Projekten immer zu Verzögerungen." Seine Vermutung sei, dass die U1 frühestens 2017 bis Rothneusiedl fahren wird.

Chorherr verwies auch auf die derzeit laufenden Verhandlungen zwischen der Stadt und Magna. Dabei werde die Schenkung von Grundstücken vorbereitet, kritisierte er. Was wo geplant sei, werde der Öffentlichkeit aber nicht mitgeteilt.

Es sei aber anzunehmen, dass kolportierte Zahlen stimmen, so Chorherr: Auf 230.000 Quadratmeter wird demnach ein Stadion mit 31.000 Sitzplätzen entstehen, dazu ein kleineres Stadion, ein Shoppingcenter und ein Freizeitpark. Der Grün-Politiker urgierte die Erstellung eines "ordentlichen Masterplans" für dieses Areal.

SPÖ weist Kritik zurück
Die regierende Wiener SPÖ wies die Kritik zurück: "Bei dem bedeutenden innovativen Stadtentwicklungsprojekt in Rothneusiedl im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten läuft alles nach Plan", versicherte der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, SP-Gemeinderat Andreas Schieder, in einer Aussendung. Das Vorhaben werde "mit großer Sorgfalt Zug um Zug verwirklicht".

Laut Schieder wird derzeit ein Entwicklungsmanagement für das Projekt eingerichtet. In Sachen Verkehrsanbindung verwies auch Schieder auf die Möglichkeit eines "Buspendelbetriebes" bei Fußballmatches. Auch beim Happel-Stadion im Prater gebe es noch keine U-Bahn, zehntausende Besucher würden bei Spielen die Straßenbahn benutzen, betonte der SP-Politiker.

(apa/red)