Streitfall Elite-Uni: Für Opposition bleibt Projekt in Gugging weiter "fragwürdig"

Kritik an "Wahlfahrt" sowie am Gesetzesentwurf

Auch nach der Vorstellung des "Internationalen Komitees" für das geplante Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Gugging bleiben die Gesetzesvorlagen für die "Elite-Uni" nach Ansicht des Grünen Wissenschaftssprechers Kurt Grünewald "fragwürdig". Nötig seien "massive Korrekturen", um "die üble Optik politischer Einflussnahmen auf Standortfragen und Forschungsstrategie zu korrigieren", so Grünewald in einer Aussendung. Sein SPÖ-Pendant Josef Broukal mahnte im Vorfeld der "Wahlfahrt" von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer nach Gugging, nicht auf die bestehenden Universitäten zu vergessen.

Grünewald hält es für "bezeichnend, dass nicht mehr die zuständige Ministerin, sondern die Industriellenvereinigung" die Initiative ergreifen müsse, um internationale Spitzenforscher "damit zu beauftragen, zerbrochenes Porzellan zu kitten". "Überlegen" müsse sich die Industriellenvereinigung aber, ob Vergleiche zwischen ISTA, Weizmann Institut und ETH Zürich nicht allzu sehr an den Haaren herbeigezogen seien: "Die ETH Zürich investiert pro Studierenden beinahe vier Mal so viel Geld wie eine österreichische Technische Universität".

Ähnlich argumentierte Broukal: "Die Regierung setzt in den nächsten zehn Jahren 50 Millionen Euro im Jahr für die Elite-Uni in Gugging ein, gleichzeitig fehlen den österreichischen Unis 50 Mio. Euro jährlich für wissenschaftliche Projekte, die nur aus Geldmangel abgelehnt werden müssen", so der SPÖ-Wissenschaftssprecher in einer Aussendung: "Wer in Gugging jubelt, darf auf Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Linz nicht vergessen!"

Sowohl der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, als auch Rektoren-Chef Christoph Badelt hätten in den vergangenen Tagen zusätzliches Geld für die Uni-Forschung reklamiert. Grünewald hält die Elite-Uni "angesichts der wahrlich nicht rosigen Zustände an Österreichs Hohen Schulen" für "ein großmannssüchtiges Ablenkungsmanöver von den wahren Problemen an den Unis".

Kritik kam zuletzt vor allem auf Grund der Konstruktion des obersten Leitungsgremiums der Einrichtung: das Kuratorium wird fast vollständig von Bundesregierung und Land Niederösterreich besetzt.

(apa)