Streiterei zwischen Ramos und Aragonés: Die Wogen gehen bei Spaniern derzeit hoch

Verteidiger Ramos mit einigen Unpünktlichkeiten Journalisten beschweren sich über Fliegen in Neustift

Streiterei zwischen Ramos und Aragonés: Die Wogen gehen bei Spaniern derzeit hoch © Bild: APA/EPA/Diaz

Die Zeit wird ihnen manchmal lang zwischen den Partien bei der EURO 2008, und doch müssen die spanischen Sport-Journalisten die Seiten ihrer Zeitungen füllen. Diese sind mitunter dick wie ein Buch. Daher ist ein vermeintlicher Disput zwischen Teamchef Luis Aragones und Verteidiger Sergio Ramos das Hauptthema im EURO-Camp der Spanier in Neustift im Stubaital. Ramos soll Aragones vor dem Viertelfinalspiel gegen Italien am Sonntag in Wien (20.45/live auf news.at) sogar zur "Ordnung gerufen" haben.

Eine etwas unorthodoxe Auslegung des teaminternen Rollenspiels, den eigentlich sitzt ja Luis Aragones in der Hackordnung ganz oben. Den Defensivmann von Real Madrid soll aber gestört haben, dass ihn der Coach vor den Medien für sein Verhalten außerhalb des Platzes gerügt hatte. Er besorgte sich angeblich auch einen Mitschnitt der Aussagen. Aragones hielt in der Folge eine rund zehnminütige Ansprache, wobei der Andalusier Ramos mit wilden Gesten reagierte.

Das war der soweit sichtbare Teil der Geschichte. Über Inhalte wurde seitens der Mannschaft aber Stillschweigen vereinbart. Die Sportzeitung "As" eruierte aber dennoch, dass Ramos seinem Chef folgende Sätze ins Gesicht geworfen haben soll: "Sie sollten mir die Sachen privat sagen und keine Gespräche öffentlich machen, die wir geführt haben. Wenn sie vor den Journalisten sagen, dass ich Dinge außerhalb des Spielfeldes mache, die ich nicht machen soll, schadet das meinen Bild als Profi. Oder es wird eines aufgebaut, das gar nicht stimmt."

Ramos als Nachtschwärmer
Vermutlich ist Aragones darüber verstimmt, dass Ramos mehrmals unpünktlich zu den Mahlzeiten und zu Abfahrten des Mannschaftsbusses gekommen war. Ein von einer schwedischen Zeitung dokumentierten Disco-Besuch von Ramos vor dem Gruppenspiel gegen Schweden (2:1) soll hingegen nicht zur Diskussion stehen. Der Teamchef hatte den Spieler diesbezüglich auch öffentlich verteidigt: "Er hatte seinen freien Tag."

Auf die anderen Vorwürfe soll der Spieler an sich reumütig reagiert haben: "Ich akzeptiere, dass es falsch war, dass ich ein bisschen zu spät gekommen bin, und ich habe mich bei den Kollegen dafür entschuldigt. Ich dachte aber, die Sache sei damit erledigt." Laut manchen Medien wird der spanische Verband dennoch interne Sanktionen gegen Ramos ins Auge fassen.

Fliegen-Problem in Neustift
Aber auch das ist nicht so sicher. Und je mehr Gerüchte durch die Tiroler Bergwelt wabern, desto mehr müssen selbst die Schreiberlinge über das Thema schmunzeln. "Um die Beziehung zwischen dem Teamchef und dem Verteidiger wird eine Mauer von Lügen aufgebaut", machte sich etwa ein Reporter von "El Mundo" über die eigene Zunft lustig, "aber eines ist sicher: In dem Flugzeug nach Wien wird auch Sergio Ramos sitzen. Es darf nämlich ausgeschlossen werden, dass ihn Luis an einem Bein seines Bettes in seinem Zimmer in Neustift angekettet zurücklässt."

Eines steht für den Blog-Schreiber von "El Mundo" übrigens auch fest: "Es gibt keinen Ort in Europa mit mehr Fliegen als Neustift. Nach den Daten der UEFA sind rund 234 Millionen Fliegen, in ihrer Mehrzahl ohne Akkreditierung, dieses Jahr der spanischen Nationalmannschaft in den Tiroler Ort nachgereist." Tatsächlich sorgen die lästigen Insekten, die das auf einem Feld aufgebaute Pressezelt im Ortsteil Kampl bevölkern, bereits seit Tagen für regelmäßige Wutausbrüche der Medienvertreter aus Spanien.

Mögliche Aufstellungen Spanien - Italien
(Wiener Happel-Stadion, 20.45 Uhr/live auf news.at, Schiedsrichter Herbert Fandel/GER):

Spanien: 1 Casillas - 15 Ramos, 4 Marchena, 5 Puyol, 11 Capdevila - 19 Senna - 12 Cazorla, 8 Xavi, 21 Silva - 7 Villa, 9 Torres

Ersatz: 23 Reina, 13 Palop - 2 Albiol, 3 Navarro, 18 Arbeloa, 10 Fabregas, 6 Iniesta, 14 Xabi Alonso, 20 Juanito, 22 De La Red, 17 Güiza, 16 Garcia

Italien: 1 Buffon - 19 Zambrotta, 2 Panucci, 4 Chiellini, 3 Grosso - 16 Camoranesi, 10 De Rossi, 20 Perrotta, 13 Ambrosini - 18 Cassano, 9 Toni

Ersatz: 14 Amelia, 17 De Sanctis - 22 Aquilani, 11 Di Natale, 5 Gamberini, 23 Materazzi, 7 Del Piero, 12 Boriello, 15 Quagliarella

Es fehlen: 21 Pirlo, 8 Gattuso (beide gesperrt), 6 Barzagli (Riss des Innenmeniskus im linken Knie)

(apa/red)

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