Streit um Tempel knapp vor der Eskalation:
Thailand und Kambodscha rufen ihre Armeen

Bedeutender Tempel in umstrittenem Grenzgebiet Tempel steht auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste

Streit um Tempel knapp vor der Eskalation:
Thailand und Kambodscha rufen ihre Armeen © Bild: Reuters

In der Grenzregion von Kambodscha und Thailand droht ein jahrzehntealter Territorialstreit um einen historischen Hindu-Tempel zu eskalieren. Mehr als 400 thailändische und rund 800 kambodschanische Soldaten standen sich bei der Ruine der aus dem 11. Jahrhundert stammenden Tempelanlage von Preah Vihear auf beiden Seiten der Grenze gegenüber. Nach Zeugenangaben richteten sie sogar kurzzeitig die Waffen aufeinander, nachdem fünfzig kambodschanische Soldaten eine Pagode betreten hatten. Erst nach Verhandlungen der Kommandanten beruhigte sich die Lage. Die Reste der Tempelanlage, erbaut unter den Khmer-Königen Suryavarman I. (1002-50) und Suryavarman II. (1113-50) erbaut, war erst kürzlich in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Der kambodschanische Ministerpräsident Hun Sen forderte in einem Schreiben an seinen thailändischen Amtskollegen Samak Sundaravej den Rückzug der thailändischen Truppen auf. Andernfalls drohe der Konflikt die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu belasten. Die Aufregung hat auch innenpolitische Motive: In Kambodscha laufen die Vorbereitungen für die Parlamentswahlen am 27. Juli, in Thailand kämpft die Regierung gegen Proteste an, die sich auch gegen ihren Umgang mit dem Territorialstreit richten.

Der Internationale Gerichtshof (IGH) hatte im Jahr 1962 entschieden, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören. Der Haupteingang liegt allerdings auf thailändischer Seite. Ein knapp fünf Quadratkilometer großer Geländeteil wird bis heute von beiden Ländern beansprucht. Sie begründen dies mit jeweils unterschiedlichen historischen Karten. Während des Zweiten Weltkriegs, als Kambodschas französische Protektoratsmacht vorübergehend handlungsunfähig war, hatte Thailand Teile des Nachbarlandes militärisch besetzt.

(apa/red)