Streit um Jagd auf Wale nimmt kein Ende: Konflikte vor jährlichem IWC-Treffen in Chile

Neue Runde im Ringen um ein weltweites Fangverbot Auch auf Island herrscht Uneinigkeit über Walfang

Streit um Jagd auf Wale nimmt kein Ende: Konflikte vor jährlichem IWC-Treffen in Chile © Bild: APA/DPA

Der endlose Streit um die Wale: Vom 23. bis 27. Juni findet in Santiago de Chile die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. Islands Walfang-Befürworter im Fischereiministerium in Reykjavik und die Walfänger in ihren Kuttern sehen der neuen Runde im Ringen um das weltweite Fangverbot gelassen entgegen. "Wir erwarten beim Treffen der Internationalen Walfangkommission eigentlich nichts wesentlich Neues, es gibt wenig Bewegung", sagte Wal-Kommissar Stefan Asmundsson. Er sehe auch mit Blick auf ausländische Proteste keine Probleme für die vor zwei Jahren wieder aufgenommene kommerzielle Jagd auf Zwergwale.

Allerdings weht den mit Japan und Norwegen für die Aufhebung des seit 1986 geltenden Walfang-Moratoriums kämpfenden Isländern auf der eigenen Atlantik-Insel ein zunehmend scharfer Wind ins Gesicht. "Die Freigabe von 40 Zwergwalen für die Jagd schadet langfristig den Interessen unseres Landes. Das können wir nicht unterstützen", sagt ausgerechnet Außenministerin Ingibjörg Sólrún Gísladóttir und stellt sich damit öffentlich gegen ihren Kabinettskollegen, Fischereiminister Einar Gudfinsson.

Island: Weniger Wale als geschätzt
Während die sozialdemokratische Ministerin vor allem den guten Ruf des kleinen Landes mit 300.000 Einwohnern, seine Exporteinnahmen und die Annäherung an die EU im Auge hat, treiben Thórunn Hardardóttir im kleinen Hafenstädtchen Husavik ganz andere Sorgen um: "Wir können hier selbst erleben, dass die offiziellen isländischen Bestandsschätzungen viel zu hoch sind. Bei uns in der Bucht zeigen sich kaum noch Zwergwale." Die junge Frau muss es eigentlich wissen, denn ihre Familie lebt von Ausfahrten mit Touristen zur Walbeobachtung.

Vor einer dreistündigen Tour mit "North Sailing", bei der sich wieder nur ein einziger Buckelwal zeigt, macht sie eine ganz andere Rechnung auf als Wal-Kommissar Asmundsson, der einen Bestand von mehr als 40.000 Zwergwalen im Nordatlantik vor Island für "absolut gesichert und unstrittig" hält: "Völlig irre diese Zahl. Letzte Zählungen haben doch eine um drei Viertel geringere Zahl ergeben."

Niemand braucht Walfleisch
Für wichtiger noch als optimistische Bestandsschätzungen und isländische Image-Probleme hält sie ein ganz anderes heimisches Argument gegen den Walfang: "Niemand braucht das Fleisch. Immer mehr Menschen aber wollen Wale beobachten." Elke Wald, deutsche Chefin im Walmuseum von Husavik, macht eine Einschränkung: "Es stimmt, dass die Isländer im Prinzip überhaupt kein Walfleisch essen wollen. Aber ausgerechnet Touristen hier auf Island, die eigentlich alle gegen Walfang sind, fragen nach ihren Whale-Watching-Touren aus Neugier im Restaurant danach."

Sogar das Fischereiministerium in Reykjavik will den Walfang komplett einstellen lassen, "wenn es keinen Markt für das Produkt gibt". So sei es nun mal in der Marktwirtschaft, meint Wal-Kommissar Asmundsson, nennt aber das derzeitige Interesse an Walfleisch "völlig ausreichend".

Kritik an Umweltorganisation
Er wolle auch gerne eine Botschaft an die deutschen Walfang- Kritiker anfügen, heißt es ungefragt: "In Deutschland glaubt man, dass wir gefährdete Walarten jagen wollen. Das tun wir aber nicht, und wir sind dagegen wie alle anderen." Der Widerstand von Umweltorganisationen gegen den Walfang werde in Wirklichkeit immer mehr zum Kampf für das "Überleben der Niedlichsten" und habe kaum noch, wie behauptet, mit Bestandssicherung zu tun, kritisiert er.

Eine dänische Walforscherin, die von Husavik aus den Blauwal erforscht, mit rund 30 Metern Länge das größte Tier auf Erden, betont dagegen: "Dass die Intelligenz von Zwergwalen nach neuesten Erkenntnissen fast an die von Schimpansen heranreicht, sollte eigentlich allen zu denken geben."

(apa/red)