Psychologie von

So schlichten Sie einen
Streit in 90 Sekunden

Mann und Frau streiten sich © Bild: iStockphoto.com

Wo Menschen, da früher oder später vermutlich auch Streit. Ja, es ist wichtig zu diskutieren. Doch manchmal kann ein Streit auch ziemlich kontraproduktiv sein. Wir verraten Ihnen, wie Sie eine aufgeladene Situation in 90 Sekunden entschärfen können.

Die Methode stammt von Douglas E. Noll, der sich nach 22 Jahren dazu entschieden hat, seine Karriere als Rechtsanwalt an den Nagel zu hängen und, wie "focus.de" schreibt, Friedensstifter zu werden. Heute arbeitet der in Kalifornien ansässige Buchautor als Mediator und Trainer und Mediator - unter anderem in Hochsicherheitsgefängnissen in Kalifornien. Dabei wendet er die Methode des "Affect Labeling" an.

Im Grunde geht es bei dieser Methode darum, nicht auf die vom Gegenüber ausgesprochenen Worte zu hören, sondern den Fokus darauf zu richten, welche Gefühle hinter dem Gesagten liegen, um ebendiese dem Partner in weiterer Folge rückzumelden. Die Methode ist relativ einfach umzusetzen und verspricht die Entschärfung einer emotionsgeladenen Situation innerhalb von 90 Sekunden. So funktioniert sie:

1. Ignorieren Sie, was Ihr Gegenüber sagt

Halten Sie nicht an den Worten Ihres Gegenübers fest. Diese verdecken mitunter nur den wahren Grund seines Gefühlsausbruchs. Und haben nicht zuletzt oft das Ziel, ihren Adressaten zu verletzen. Schießt Ihr Gegenüber mit schweren verbalen Geschossen, ignorieren Sie sie. Das ist nicht immer leicht. Doch ist es wenig zielführend, wenn Sie sich auf diese Art von Gespräch einlassen.

2. Gehen Sie den Gefühlen Ihres Gegenübers auf den Grund

Während Sie nun die Worte so gut als möglich ausblenden, versuchen Sie herauszufinden, welche Emotion hinter dem Gesagten steckt. Folgende sechs Grundemotionen können hier laut Noll eine Rolle spielen: Wut, Angst, Sorge und Ekel. Hinzu kommt das Gefühl von Schmerz, Scham und Demütigung und jenes, verlassen bzw. ungeliebt zu sein. Vertrauen Sie beim Ergründen auf Ihre Fähigkeit zur Empathie.

3. Melden Sie Ihrem Gegenüber sein Gefühl rück

Wenn Sie herausgefunden haben, welche Emotion hinter dem Gefühlsausbruch steckt, melden Sie sie Ihrem Gegenüber rück. Verwenden Sie dafür Du-Sätze. Etwa "Du bist wütend" oder "Du bist traurig". Auf diese Weise helfen Sie ihm zu erkennen, welches Gefühl ihn in Aufruhr versetzt hat. Das ist wichtig. Denn sobald auch er es benennen kann, kann er anfangen, mit ihm zu arbeiten, sprich zu ergründen, warum er gerade so empfindet und was er tun kann, um seinen Gefühlszustand zu verbessern.

Trauen Sie sich!

Haben Sie keine Sorge, dass Sie bei Ihrer Gefühlsidentifikaiton nicht ins Schwarze treffen. Sollte das der Fall sein, wird Ihr Gesprächspartner Sie höchstwahrscheinlich korrigieren. Was nicht zuletzt dazu beiträgt, dass er sich selbst mit seinen Gefühlen auseinandersetzt und Ihnen einen Teil Ihrer Arbeit abnimmt. So oder so vermitteln Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie ihm zuhören und versuchen ihn zu verstehen. Allein das schon trägt zur Entschärfung der angespannten Situation bei.