Streiks beginnen von

Stillstand in Italien

Nach Griechenland streiken jetzt auch die Italiener. Proteste im ganzen Land

Streiks beginnen - Stillstand in Italien © Bild: APA/EPA

Auf Griechenland folgt nun Italien. Das hoch verschuldete Land hat Kürzungen im Nahverkehr beschlossen. Die Reaktionen folgten prompt: Die Eisenbahner legen vorerst für acht Stunden die Arbeit nieder und fordern einen neuen Kollektivvertrag. Auch Italiens Metallarbeiter treten in den Streik. In ganz Italien kommt es heute zu Demonstrationen.

FIAT ab 2012 ohne Kollektivvertrag
Der Metaller-Streik wurde von dem Gewerkschaftsverband FIOM ausgerufen. Protestiert wird gegen Pläne der Autogruppe FIAT, den Bushersteller Irisbus zu schließen, was zur Streichung von 700 Jobs führen werde. Irisbus war 1999 aus einer Kooperation zwischen Fiat und Renault entstanden. FIOM protestiert auch gegen Fiats Pläne, ab Anfang 2012 aus dem Industrieverband Confindustria auszusteigen. Damit wird Fiat nicht mehr an die von der Organisation unterzeichneten Kollektivverträge gebunden sein.

Mit dem Austritt aus dem Industriellenverband versetzt Fiat dem italienischen System stark zentralisierter Kollektivverhandlungen einen schweren Schlag. Fiat-Chef Sergio Marchionne erklärte seine Entscheidung damit, dass die Sozialpartner trotz Wirtschaftskrise noch immer keine Signale der Bereitschaft gegeben hätten, die Kollektivverhandlungen auf die Betriebsebene zu verlagern. Marchionne befürchtet, dass ein vom Parlament im Rahmen des Sparpakets verabschiedetes Gesetz zugunsten betrieblicher Kollektivverhandlungen missachtet werde. Dies beeinträchtige Fiats Investitionspläne in Italien.

EZB hält Kollektivvertrag für unnötig
Für eine Dezentralisierung der Kollektivverhandlungen sowie eine Lockerung des Kündigungsschutzes hatten sich Anfang August auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean Claude Trichet, und sein designierter Nachfolger Mario Draghi in einem Brief an Regierungschef Silvio Berlusconi ausgesprochen. Allerdings forderten sie auch eine Revision des rigiden Kündigungsschutzes und anderer gesetzlicher Einschränkungen am Arbeitsmarkt.

Die Gewerkschaften schlagen angesichts der Fiat-Pläne Alarm. "Wir stehen vor einem Versuch, das System der Kollektivverhandlungen in Italien abzubauen. Fiat will in Italien das gescheiterte US-System durchsetzen", warnte die Metallergewerkschaft.

Eisenbahnerstreik betrifft Österreich
Der Streik der Eisenbahner in Italien lässt auch den Zugverkehr in Österreich nicht unbehelligt. Während die Züge über Tarvis normal verkehrten, waren am Brenner vier Verbindungen betroffen, wie ÖBB-Sprecherin Sarah Nettel der APA mitteilte.