Streik der Lufthansa mitten in Hochsaison: Bisher keine Störungen im Flugverkehr

Weder Ausfälle noch Verspätungen in Österreich Angestellte fordern mehr Geld: 1. unbefristeter Streik

Streik der Lufthansa mitten in Hochsaison: Bisher keine Störungen im Flugverkehr © Bild: Reuters/Rehle

Der Streik Tausender Lufthansa-Mitarbeiter hat zunächst keine Folgen für Reisende in Deutschland und Österreich gehabt. Weder in Deutschland noch in hierzulande gab es Flugausfälle oder Verspätungen. Die Gewerkschaft ver.di erklärte, die Auswirkungen des ersten unbefristeten Ausstands beim Boden- und Servicepersonal seit 13 Jahren würden erst in den nächsten Tagen voll durchschlagen.

Laut ver.di beteiligten sich 4.000 bis 5.000 Mitarbeiter der Technik, der Frachtverladung (Cargo), der Passage und des Caterings am Streik. Der Ausstand finde ausschließlich im Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt, erklärte die Gewerkschaft. Schwerpunkte waren das wichtigste Drehkreuz der Fluggesellschaft in Frankfurt sowie Hamburg mit jeweils rund 1.500 Streikenden. "Wir rechnen damit, dass der Flugverkehr Mitte der Woche stärker und Ende der Woche massiv betroffen sein wird", sagte der Hamburger ver.di-Fachbereichsleiter Dietmar Stretz. Eine Lufthansa-Sprecherin erklärte zu Mittag, das bisher mehr als 600 der täglich 2.000 Flüge problemlos abgewickelt worden seien.

In Österreich hatte der Streik keine Auswirkungen auf den Flugverkehr. Bisher hätte es keine Ausfälle bei Lufthansa-Flügen gegeben, sagte eine Sprecherin des Flughafen Wien. Auch am Linzer Flughafen sind die drei vorgesehenen Lufthansa-Flüge nach Frankfurt, München und Düsseldorf planmäßig durchgeführt worden. Sie wurden wie schon vor dem Streik von Lufthansa-Partnern abgewickelt.

"Im Moment sieht es gut aus"
Für den Flughafen Salzburg fällt der Streik gar nicht ins Gewicht, weil es keine direkten Lufthansa-Flüge nach Salzburg gibt. Am Flughafen Graz hat es bisher auch keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb gegeben. "Im Moment sieht es gut aus", sagte die Pressesprecherin des Flughafens Graz-Thalerhof, Doris Poelt. Alle Lufthansa-Maschinen seien pünktlich in Graz-Thalerhof angekommen.

Auch der Flughafen Klagenfurt sieht sich von den Ausständen nicht betroffen. Die Lufthansa bietet zwar täglich eine Verbindung von Klagenfurt nach München an, diese werde jedoch von der italienischen Fluggesellschaft Air Dolomiti bedient. Von Streik ist auch der Tiroler Flughafen nicht direkt betroffen sein. "Im Moment haben wir nur einen Lufthansa-Linienflug von Hamburg nach Innsbruck und wieder retour. Dieser ist samstags und wird vom Lufthansa-Tochterunternehmen CityLine durchgeführt", erklärte der Flughafen-Betriebsleiter der APA.

Unternehmen Ziel des Streiks
Verhandlungsführer Erhard Ott sagte im ZDF, Ziel sei nicht, "möglichst viele Flugausfälle zu produzieren, sondern das Unternehmen zu treffen". Der Ausstand sei so angelegt, dass die Auswirkungen für die Fluggäste zwar spürbar seien, sich aber in Grenzen hielten. Aktionen gab es der Gewerkschaft zufolge auch in München, Köln, Düsseldorf, Hannover und Leipzig.

Der Streik kostet der Lufthansa laut ver.di "richtig viel Geld". "Catering bei der Konkurrenz einzukaufen oder das Fluggerät in anderen Werften warten zu lassen, ist richtig teuer", erklärte ver.di-Verhandlungsführer Ott. Zudem seien die Buchungen schon seit der Urabstimmung in der vergangenen Woche enorm zurückgegangen. Zwar sei die Zahl der ausgefallenen Flüge noch relativ gering: "Der Notfallplan der Lufthansa kostet das Unternehmen aber richtig viel Geld."

Mehr Geld gefordert
ver.di fordert für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa hat 7,7 Prozent für 21 Monate angeboten - inklusive einer Einmalzahlung - und vorgeschlagen, den Konflikt mit einem Schlichtungsverfahren zu lösen.

Ver.di-Verhandlungsführer Ott rief das Management auf, mit einem verbesserten Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nachdem sie in einem Mitarbeiterbrief das jetzige Angebot als das Äußerste bezeichnet habe, sei die Tür zunächst zugeschlagen. Es sei nun Sache der Lufthansa, sich zu bewegen.

Luffthansa-Sprecher Klaus Walther wies ver.di die Schuld am Streik zu. "Ver.di hat den Verhandlungstisch verlassen", sagte er. "Wir sind dialogbereit." Es liege ein verhandlungsfähiges Angebot vor. Eine Art Dauerstreik wegen der Forderungen mehrerer Einzelgewerkschaften befürchte die Lufthansa nicht.

Die Lufthansa hat für ihre Kunden eine Telefon-Hotline geschaltet, unter der Passagiere Informationen zu ihren Buchungen, Umbuchung und Stornierung erhalten können: Für Österreich lautet die Nummer: 0810 1025 8080. Informationen über die aktuellen Ankünfte und Abflüge gibt es auch im Internet unter http://www.lufthansa.com.

(apa/red)