Streik im Berliner Nahverkehr beendet: Allerdings kein neues Tarifangebot in Sicht

BVG-Chef Sturmowski nennt Ausstand unangemessen Streikparteien drohen mit "weiteren Eskalationen"

Streik im Berliner Nahverkehr beendet: Allerdings kein neues Tarifangebot in Sicht © Bild: Reuters/Bensch

Im Berliner Nahverkehr rollen wieder die Räder: Der zweitägige Warnstreik bei den Verkehrsbetrieben BVG ist nun planmäßig beendet worden. Nach Einschätzung der BVG sollte sich der Betrieb bei Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen schon bald wieder normalisiert haben. Mit dem Ausstand wollte die Gewerkschaft ver.di ihrer Forderung nach mehr Geld für die rund 12.500 BVG-Beschäftigten Nachdruck verleihen. S-Bahn und Regionalbahn waren von dem Ausstand nicht betroffen.

"Wir sind froh, dass es vorbei ist", erklärte BVG-Chef Andreas Sturmowski. Er bat die Fahrgäste um Verständnis und nannte den Warnstreik vor allem wegen der zu kurzen Vorwarnzeit unangemessen. Sturmowski äußerte die Hoffnung, dass ver.di nun wieder konstruktiv verhandle. Die Arbeitgeberseite ließ erkennen, dass mit einem besseren Angebot nicht zu rechnen ist. Daraufhin drohte ver.di-Sprecher Andreas Splanemann "mit weiteren Eskalationen". Gebe es kein besseres Angebot, "werden wir zu Wochenbeginn unseren Gremien den Abbruch der Verhandlungen und die Einleitung unbefristeter Streiks empfehlen", sagte Splanemann.

Öffentlicher Verkehr beeinträchtigt
Der Streik hatte am tagsüber erneut den öffentlichen Nahverkehr in der deutschen Hauptstadt erheblich beeinträchtigt. "Bis auf einige wenige Busse fährt gar nichts", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die Auswirkungen waren aber deutlich geringer als beim letzten Streik, als Hunderttausende Berufspendler und Schüler von dem kurzfristig angesetzten Streik überrascht wurden. Sie gingen zu Fuß, stiegen auf die S-Bahn um oder nahmen Fahrrad, Auto oder Taxi. Das befürchtete Chaos auf den Straßen blieb jedoch aus.

Gewerkschaftsforderungen
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert für die Mitarbeiter zwölf Prozent mehr Geld, mindestens aber 250 Euro. Die Arbeitgeber wollen aber nur Gehaltserhöhungen für 1.200 seit 2005 neu eingestellte Mitarbeiter zahlen, weil die übrigen ohnehin übertariflich entlohnt würden. Die Verhandlungsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverbands Berlin, Claudia Pfeiffer, kritisierte den Streik als überzogen. "Wir haben eine sechsprozentige Lohnerhöhung für alle Beschäftigten angeboten", sagte sie im rbb-Inforadio. "Diese betrifft in der Wirkung zunächst einmal nur die Neueingestellten - längerfristig betrachtet aber auch die Alt-Beschäftigten", erläuterte sie. Mit dem Angebot habe man schon das ausgeschöpft, was im Moment denkbar sei. "Die BVG ist ein öffentlicher Betrieb und die Spielräume sind hier sehr gering."

Was der Warnstreik die BVG kostet, konnte die Sprecherin zunächst nicht beziffern. Das Unternehmen ist der größte kommunale Verkehrsbetrieb Deutschlands. Auf den neun U-Bahn-Linien, knapp 150 Busverbindungen und 22 Straßenbahnlinien werden Reetz zufolge normalerweise täglich 2,5 bis 2,7 Millionen Fahrten unternommen. Zugleich ist die BVG einer der größten Arbeitgeber in der Region.(apa/red)