Streetworker warnen: Jugendliche in Österreich greifen immer früher zur Flasche

Schon zehn Prozent der 13-Jährigen oft auf Sauftour Zugang zu Alkohol über Gastronomie & Shops leicht

Das Wochenende beginnt für viele Jugendliche in Österreich mit einem Doppler Wein auf der Parkbank und endet mit einer Fahrt ins Krankenhaus. Laut einer in Mai veröffentlichten Studie haben bereits knapp zehn Prozent der 13-Jährigen schon mehr als 40 Mal Alkohol konsumiert. Dennoch trinken die Jugendlichen mengenmäßig nicht mehr als früher, sagte Andreas Bayr, Geschäftsführer des Vereins "Rettet das Kind" in Wien, aber "sie sind jünger und der Zugang wird ihnen viel einfacher gemacht".

Alkoholmissbrauch entstehe vor allem dadurch, dass "Jugendliche heute früher erwachsen werden müssen", erklärte Karin Perl, Streetworkerin und Sozialarbeiterin vom Jugendhaus "ausZEIT" im steirischen Gleisdorf (Bezirk Weiz), im Gespräch mit der APA. Ebenso seien die Burschen und Mädchen mit "durchschnittlich mehr Geld ausgestattet, Konsum wird dadurch zu einem wesentlichen Bestandteil des Aufwachsens".

Schuld an Sauftouren der immer jünger werdenden Mädchen und Burschen haben nach Ansicht Bayrs "die Gastronomie und manche Lebensmittelketten". Er plädiert dafür, dass "die Polizei die vorhandene Gesetzeslage ausnützt und nicht die Jugendlichen abstraft". Die zuständige Magistratsabteilung würde nur "kontrollieren, ob Verbotsschilder hängen, aber nicht, ob die Wirte wirklich Alkohol an unter 16-Jährige ausgeben".

Einige Landesregierungen und Gemeinden versuchen, mit einem Alkohol-Verbot auf öffentlichen Plätzen gegen den Missbrauch durch Burschen und Mädchen vorzugehen. Andreas Bayr hält von solchen Maßnahme nicht viel: "Verbote haben noch nie ein Problem gelöst, die Jugendlichen suchen sich dann andere Plätze und trinken heimlich." Für "Symptombekämpfung und keine Ursachenbekämpfung" hält auch Perl ein derartiges Alkoholverbot. "Vielmehr ist es wichtig, die Ursachen zu erfahren, warum Jugendliche sich zum Beispiel an Wochenenden gezielt 'niederschwemmen' - und dann ist es Auftrag des Gemeinwesens, ihnen Alternativen anzubieten."

Sowohl Perl als auch Bayr betonen, dass Jugendarbeit auch im Kampf gegen Alkoholmissbrauch keine kurzfristige Angelegenheit ist, denn Streetworker sind keine "Sozialfeuerwehr" (Perl), oder ein "ordnungspolitisches Programm", sagt Bayr. "Wir wollen die Jugendlichen nicht wegsperren", sondern durch Vertrauen Beratung und Unterstützung anbieten, erklärt der ehemalige Streetworker.

Die Arbeit der Streetworker und auch die damit verbundenen Probleme mit Gewalt in Verbindung mit Alkohol in der Großstadt und auf dem Land unterscheiden sich nicht grundlegend voneinander, so Perl, dennoch aber die Sozialstrukturen. "Die familiären Netzwerke am Land sind viel stärker und fangen vieles auf", erklärte Perl. Bayr berichtete von Eltern in Wien, die sich weigern, ihre völlig betrunkenen Kinder abzuholen, "weil sie gerade im Wochenendhaus sind". Ihren Beitrag zum falschen Umgang mit Hochprozentigem leisten sowohl Erziehungsberechtigte als auch Gesellschaft, darin sind sich die Streetworker einig. Bayer: "Wenn die Eltern auch konsumieren, werden es die Jugendlichen nicht einsehen, warum sie aufhören sollen."

Der Verein "Rettet das Kind" betreibt das älteste Streetwork-Projekt Österreichs. Vor 27 Jahren haben die Mitarbeiter laut Bayr begonnen, als "Gast in die Lebenswelt der Jugendlichen" zu kommen und eine Beziehung zu den Teenagern aufzubauen. Seit dreieinhalb Jahren gibt es das Projekt "ausZEIT" in Gleisdorf. Es ist aus einer Initiative der Stadtgemeinde entstanden, die Sozialarbeiter im Jugendhaus arbeiten mit Polizei, Jugendamt und Veranstaltern zusammen. Vier Mal im Jahr gibt es einen Arbeitskreis mit Polizei, Lehrern, Sozialarbeitern und Mitarbeitern des Jugendamts, um unter anderem die Vorgangsweise in der Arbeit mit den Burschen und Mädchen zu diskutieren.

(apa/red)