Strasshof am Weg "zurück zur Normalität":
"Man ist schon etwas sensibler geworden"

"Hätte nie gedacht, dass soetwas möglich ist"

Jene Gemeinde, die seit dem Auftauchen Nataschas im medialen Interesse der (Welt-)Öffentlichkeit steht, befindet sich auf dem Weg "zurück zur Normalität". Der Medienrummel in Strasshof an der Nordbahn (Bezirk Gänserndorf) hatte sich gelegt, und auch etwaige "Katastrophentouristen" waren am Vormittag in der Heinestraße, wo in einem Verlies unter der Garage eines Hauses Natascha Kampus gefangen gehalten war, nicht zu verzeichnen. In der Bevölkerung war nach den Ereignissen aber immer noch Anspannung zu registrieren.

"Man ist schon sensibler geworden", erklärte ein Mann, der mit seinem elfjährigen Sohn in der Parallelstraße spielte. "Gerade für mich als Vater sind solche Ereignisse natürlich arg." In solchen Momenten werde einem wieder bewusst, wie wichtig die eigene Familie sei. Auf die Frage, ob der Bub denn nun auf den Vater besser hören würde, antwortete der Mann: "Na ja, er ist schon ein bisserl ein 'Wilder', aber er geht dafür nie weit vom Haus weg."

Eine ältere Nachbarin zeigte sich noch immer fassungslos: "Das ist an und für sich eine Gegend, wo nur ältere Leute wohnen. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas überhaupt möglich ist." Sie wünsche Natascha Kampusch "alles Gute", äußerte jedoch Zweifel, ob es denn tatsächlich möglich sei, die Geschehnisse jemals vollständig "zu verdauen", wie sie meinte.

Auch kritische Töne blieben nicht aus: "Seit Mittwoch sind wir andauernd gefragt worden, ob wir denn nicht irgendetwas mitbekommen haben: Natürlich nicht, und wenn, dann hätten wir das ja gesagt", ergriff die Nachbarin Partei für die Anrainer rund um die Heinestraße 60. (apa/red)