Strasshof im langen Schatten von Wolfgang
Priklopil: "Hätte überall passieren können"

Bewohner haben inzwischen mit Causa abgeschlossen Haus als Touristenattraktion soll verhindert werden

Auch wenn inzwischen beinahe ein Jahr vergangen ist, dass eine junge Frau plötzlich in einem Garten in Strasshof gestanden ist und behauptet hat, Natascha Kampusch zu sein, hat sich der Ort noch immer nicht ganz von dem langen Schatten des spektakulären Kriminalfalles befreien können. "Was sich hier ereignet hat, hätte überall passieren können", sagt Vizebürgermeister Ludwig Deltl zur APA.

Die Bewohner hätten inzwischen mit der Causa abgeschlossen. "Wenn die Medien darüber berichten, dann ist es aber natürlich wieder ein Thema", so Deltl. Vorwürfe machen sich die Bewohner nicht: "Strasshof ist keine 150 Gemeinde, wo jeder jeden kennt. Wenn jemand zurückgezogen lebt, dann fällt er hier nicht weiter auf. Theoretisch hätte Wolfgang Priklopil auch mein Nachbar sein können", meinte der Vize-Ortschef.

Das Haus in der Heinestraße 60, in dem der Entführer Natascha Kampusch über acht Jahre gefangen gehalten hat, wirkt geradezu bizarr unspektakulär. Ein wenig ungepflegt, aber nicht verwildert, in den angrenzenden Gärten spielen Kinder und Anrainer mähen ihre Rasen - auf den ersten Blick deutet nichts auf die dunkle Geschichte des Gebäudes hin. Selbst die Autos von Priklopil, ein roter BMW und ein weißer Mercedes-Kleinbus, sind noch in dem Garten geparkt.

"Sie lassen es einfach verkommen", schimpft ein Nachbar. Man würde aber versuchen, zumindest die Gehsteige und die Grenzen des Grundstückes halbwegs in Ordnung zu halten. Über das, was in dem Haus passiert ist, wollen die Anrainer natürlich nicht reden - die Leute wollen wieder ein normales Leben führen.

Doch solange nicht geklärt ist, wie mit dem "Horror-Haus" weiter umgegangen wird, wird das wohl nur schwer möglich sein. "Natürlich kommen immer wieder Schaulustige", sagt der Nachbar. Besonders nach Berichten im Fernsehen und Zeitungen würden sich Neugierige den Schauplatz selbst ansehen wollen.

Der Gemeinde sind bei dem Haus allerdings die Hände gebunden: "Wir können nichts machen. Es ist ein laufendes Verlassenschaftsverfahren", meint der Vizebürgermeister. Auf jeden Fall will man aber verhindern, dass das Gebäude zu einer Touristenattraktion wird.

Strasshof hat der Fall Kampusch nach Angaben des Vizebürgers nicht geschadet. Der 7.777 Bewohner zählende Ort wächst, Ansiedelungen gehen ungebremst weiter.

(apa/red)