Strache schafft sich ein blaues Wunder:
Haider wird im direkten Duell klar abgehängt

Deutliche Emanzipation von seinem früheren Vorbild Bekannte Plagiate und neue Gags mit Rap und Comic

Strache schafft sich ein blaues Wunder:
Haider wird im direkten Duell klar abgehängt © Bild: APA/Barbara Gindl

Heinz-Christian Strache ist mit Jörg Haider der große Sieger der Nationalratswahl 2008. Auch wenn der Bündnischef ordentlich zulegte, blieb er im ersten direkten Duell mit seiner angeblichen Kopie erwartungsgemäß weit zurück. Längst schon hat sich der Chef der Freiheitlichen vom ehemaligen Vorbild emanzipiert und ist zur eigenen Marke geworden, die vor allem beim jungen Publikum kräftig zieht.

Das Erfolgsrezept Straches bei dieser Wahl war das sich zurücknehmen. Kein Rabaukentum, die ausländerkritischen Sprüche weniger auffällig als früher, ohnehin wusste jeder, wofür die FPÖ steht. Und in den TV-Duellen gab sich der selbst ernannte "Stra-Che" geradezu staatstragend. Immerhin will Strache ja ganz gerne einmal aus einer Regierung schauen, auch wenn zumindest vor der Wahl niemand mit ihm wollte. Genutzt hat Strache der Dauerstreit der Großen Koalition, geschadet die Kandidatur Haiders für das BZÖ.

Alte Wahlsprüche
Ganz los kommt Strache von Haider so und so nicht. Die Blauen holten den aus dem Jahr 1994 bekannten Spruch "Sie sind gegen ihn. Weil er für euch ist" hervor, mit dem damals Haider geworben hatte. In die Schuhe des Altchefs ist der Zahntechniker auch davor gerne geschlüpft. Von der Stimmmodulation über den Gagschreiber Herbert Kickl, vieles erinnert an den Kärntner Landeshauptmann. Und doch hat er es mit Comics (HC-Man) und seinen Raps geschafft, sich bei einer gewissen Klientel als eigene Politgröße zu etablieren.

Distanziert hat Strache das BZÖ bundesweit schon bei der letzten Wahl 2006, bei der die FPÖ auf elf Prozent kam und die Orangen es mit knapp vier Prozent in den Nationalrat schafften. Das Rezept war damals ein knallharter Ausländer-Wahlkampf gepaart mit freundlichen, fast schon sanften TV-Auftritten. Diesmal ging man es etwas gemäßigter an, Erfahrung aus dem Graz-Wahlkampf, wo eine rabiate Anti-Islam-Kampagne weniger brachte als schadete. Ganz im Gegenteil inszenierte sich Strache diesmal sogar als Serben-Freund, der Zulauf von Fans mit Migrationshintergrund bei seinen Veranstaltungen war erstaunlich groß.

Alte Fotoalben
Im Gegensatz zu den fast staatstragenden öffentlichen Auftritten Straches stehen Jugendfotos des FPÖ-Chefs, die immer wieder in den Medien auftauchten. Das Fotoalbum von den "Waldspielen" Straches war kurz nach der Wahl 2006 erschienen, kurz vor diesem Urnengang kam wieder ein Bild zu Tage. Strache spricht bis heute von Paintball-Spielen und Jugendsünden, an Wehrsportübungen habe er nie teilgenommen.

Strache gab freilich im Zuge der Affäre Kontakte zur neonazistischen Jugendorganisation "Wiking Jugend", die 1994 in Deutschland verboten wurde, zu. Neonazi will Strache aber nie gewesen sein.

Rustikale Zweikämpfe sind dem blauen Frontmann, Mitglied der deutschnationalen schlagenden Burschenschaft Vandalia, freilich nicht fremd. Er hat schon zweimal mit der Forderung nach Satisfaktion - einmal von einem Salzburger Arzt und ein anderes Mal von einem 17-jährigen oberösterreichischen Burschenschafter - für Spott gesorgt.

Nachwuchshoffnung der FPÖ
Strache galt lange Zeit als Nachwuchshoffnung der FPÖ. Im März 2004 kam dann der erste große Karrieresprung für den gelernten Zahntechniker: der damals 34-Jährige folgte Hilmar Kabas als Landesparteiobmann in Wien. Im April 2005 kam dann die BZÖ-Abspaltung und Straches Stunde - er übernahm als letzter Hoffnungsträger die Führung der zerrütteten FPÖ und brachte sie wieder auf Erfolgskurs.

In seinen thematischen Schwerpunkten zeigte sich Strache immer auf traditioneller FPÖ-Linie mit den Schwerpunkten Ausländer, Asyl und Kriminalität. In dieses Bild passten auch die Plakate, auf denen er mit Slogans wie "Daham statt Islam" oder diesmal mit "Heimatflug statt Asylbetrug" warb. Von Seiten der politischen Gegner, aber auch von Religionsvertretern brachte ihm dies den Vorwurf des Rassismus und der Islamfeindlichkeit ein.

Geboren wurde der zweifache Vater Strache am 12. Juni 1969 in Wien. Nach Abschluss seiner Lehre wurde er 1991 mit nur 21 Jahren Bezirksrat. Von seiner aus der Gastronomen-Familie Plachutta stammenden Frau Daniela ist er geschieden, hat aber mittlerweile die "neue große Liebe" gefunden: das "Wachauermädl" Andrea. Viel Wert legt Strache auf körperliche Ertüchtigung. Zu seinen Hobbys zählt Kung-Fu. Was Strache nicht mag, ist "früh aufstehen" - das ist nach langen Disco-Nächten, wie er sie gerne pflegt, auch wirklich nicht lustig.
(apa/red)