"Strache ist erste Wahl Schüssels": Grünen- Vizechefin Glawischnig im NEWS-Interview

Harte Kritik an SPÖ: "Redet anders als sie handelt" Rot-grüne Koalitions-Prognose für Glawischnig zu früh

"Strache ist erste Wahl Schüssels": Grünen- Vizechefin Glawischnig im NEWS-Interview

Grünen-Vizechefin Eva Glawischnig greift im Interview mit NEWS die ÖVP massiv an und sieht "Welten zwischen den Grünen und der ÖVP". Im Bawag-Skandal sieht sie ein Problem für die Umfragewerte der SPÖ, das auch für die Koalitionsbildung nach der Nationalratswahl eine Rolle spielen könnte.

NEWS : Ist der Bawag-Skandal für Sie nur ein Problem für den ÖGB oder auch für die SPÖ?

Glawischnig : Ich denke, dass sich die SPÖ da nicht so einfach aus der Verantwortung stehlen kann. Sie kann nicht so tun, als gehe sie das nichts an. Egal ob beim Arbö oder beim ÖGB, da wie dort sitzen SPÖ-Politiker. Man braucht da einen sauberen Umgang.

NEWS : Die SPÖ geht im Bawag-Fall nicht sauber vor?

Glawischnig : Nein, was mich am Verhalten der SPÖ am meisten stört, ist ihre Doppelbödigkeit. Das ist allerdings ein uraltes Problem der SPÖ. Das war schon so, als sie noch in der Regierung war, und jetzt wird ihre Populismusfalle auch wieder offensichtlich.

NEWS : Laut neuesten Umfragen liegt die SPÖ erstmals seit Jahren wieder nur Kopf an Kopf mit der ÖVP. Kritisieren Sie die SPÖ nun deshalb so hart, weil Ihre Partei die Möglichkeit einer rot-grünen Koalition zerbröseln sieht?

Glawischnig : Diese Umfragen sind nur Momentaufnahmen. Ich halte diese Prognosen für verfrüht, da wird teilweise versucht, Politik zu machen.

NEWS : Sie haben doch selbst einen Zusammenhang zwischen Bawag und SPÖ hergestellt. Glauben Sie nicht, dass das der SPÖ schaden wird?

Glawischnig : Das wird davon abhängen, wie der Bawag-Fall weitergeht. Wenn im Herbst Strafverfahren eröffnet werden, wird es die SPÖ sicher treffen. Das würde ihr sicher schaden.

NEWS : Verabschieden sich die Grünen also von ihren rot-grünen Hoffnungen?

Glawischnig : Für uns ist die ganze Sache eher eine Bestätigung unseres Kurses. Wir haben eine klare Linie, und bei uns gibt es eine Übereinstimmung zwischen Worten und Taten, während die SPÖ in einer Populismusfalle steckt, die ich für brandgefährlich halte. Und für so einen Kurs geben wir uns sicher nicht her.

NEWS : Sehen Sie denn mehr Übereinstimmung mit der ÖVP? Stehen Sie der ÖVP heute näher als bei den letzten Koalitionsverhandlungen?

Glawischnig : Wir hatten 2003 mit der ÖVP über eine Koalition verhandelt. Daraus wurde nichts, weil uns zu viel getrennt hatte. Im Vergleich zu damals haben sich die Fronten noch vertieft. Wir liegen heute noch weiter auseinander, egal ob in Schul-und Bildungspolitik, Umweltschutz oder Frauenpolitik, ich sehe keinen einzigen Punkt, in dem sich die ÖVP hin zu einer innovativen Politik verändert hätte.

NEWS : Versuchen Sie mit dieser Kritik an Rot und Schwarz nicht auch vom grünen Dilemma abzulenken? Immerhin droht Ihre Partei im Kampf um Platz eins zwischen SPÖ und ÖVP zerrieben zu werden, oder?

Glawischnig : Ganz im Gegenteil. Ich glaube sogar, dass sich jetzt für uns besondere Chancen auftun. Es wird ja derzeit deutlich, in welchem Ausmaß sich SPÖ und ÖVP an Haider und Strache anbiedern. Wenn es keine starken Grünen gibt, kommt eine große Koalition. Das wollen aber viele Menschen nicht, die uns daher stärken werden.

NEWS : Sie wollen also als Anti-Haider/Anti-Strache punkten? Damit fischen Sie im SPÖ-Wählerteich, und dann ginge sich Rot-Grün ohnehin nicht aus, oder?

Glawischnig : Wir werden uns sicher weiter so positionieren. Mein persönlicher Ehrgeiz ist, dass Jörg Haider von der Bildfläche verschwindet. Das wäre mir eine persönliche Befriedigung. Und ich glaube eher, dass Hans-Peter Martin die SPÖ Stimmen kosten könnte. Auch die Strache-FPÖ holt sich offenbar SPÖ-Wähler. Da geht es nicht um Rot-Grün.

NEWS : Schwarz-Orange ist rein rechnerisch mehr als unwahrscheinlich.

Glawischnig : Wenn der Kanzler die Chance für eine kleine Koalition sieht, wird er sie nützen.

NEWS : Also Schwarz-Grün?

Glawischnig : Haider oder Strache sind Schüssels erste Wahl. Beide sind ein bequemer Koalitionspartner. Wenn sich das nicht ausgeht, dann ist die nächste Variante die große Koalition.

Das ganze Interview mit der Grünen-Vizechefin finden Sie im aktuellen NEWS!