Das Ortnerprinzip von

Ein lauter Schrei nach Liebe

Dass Heinz-Christian Strache und die FPÖ aus Liebe handeln, ist wenig glaubwürdig

Julia Ortner © Bild: News

Es war am 24. Oktober 2012, als Heinz-Christian Strache die Liebe entdeckte. „Wir handeln aus Liebe zu unserer Heimat, aus Liebe zu unserer Kultur, aus Liebe zu den Menschen in unserem Heimatland. Und die größte Kraft und der größte Antrieb ist die Kraft der Liebe“, sagte der FPÖ-Chef bei seiner Grundsatzrede zur Lage der Nation. Staatstragend im Ton, hart im Inhalt, das kennt man seitdem von Strache. Und auch dieses Jahr erlebt man ein Déjà-vu, wieder eine Strache-Ansprache vor dem Nationalfeiertag mit anfangs etwas Gefühl; die Parteikollegen sprechen vom „Kraftwerk der Liebe“. Ja, ganz im Ernst.

Doch fast alles, was Sie da von sich geben, Herr Strache, ist die Antithese zur Liebe. Vielleicht auch ein lauter Schrei nach Liebe: „Hallo, ich wäre ein Kanzler der Herzen!“ Aber Ihr Gerede über „Bürgerkrieg“ – da ist echt keine Liebe. Aufklärung ist unser Job, also jetzt einmal ein paar Lektionen über die Liebe für Sie. Und zwar leicht begreiflich, mit einem Auszug aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs – Sie berufen sich ja auch so gerne auf den lieben Gott, Herr Klubobmann:

„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“

Da hat man noch etwas Nachjustierungsbedarf im FPÖ-Parteiprogramm. Jetzt ist es allerdings auch so, dass viele glauben, Strache verdiene nicht nur keine Nächstenliebe, sondern auch keinen Grundrespekt. Und dann verbreiten sie zum Beispiel diese Woche in den sozialen Medien die Livebilder vom „ZiB 2“-Sendungsbeginn, auf denen sich der FPÖ-Chef beim Zurechtsetzen noch ungeschickt in den Schritt fasst, weil er sich nicht im Bild wähnt – mit hämischen Kommentaren. So etwas macht man nicht, egal, wen es betrifft, das ist nur tief. Auch manche Strache-Gegner sollten einmal den 1. Korintherbrief nachlesen.

Und dann schauen wir, wer sich noch aller verächtliche Witzchen zu machen traut, falls Herr Strache doch irgendwann Kanzler werden sollte.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: ortner.julia@news.at

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