Strache kein Freund von Dreierkoalitionen: Wahlziel für den FPÖ-Chef sind 15 Prozent

Hält einen "Kanzler Strache" für nicht ausgeschlossen Wirft SPÖ und ÖVP einen "schäbigen Populismus" vor

Strache kein Freund von Dreierkoalitionen: Wahlziel für den FPÖ-Chef sind 15 Prozent © Bild: Reuters

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist für "wackelige" Dreierkoalitionen nach der Nationalratswahl nicht zu haben. Für eine rot-blaue oder eine schwarz-blaue Regierung stünde er hingegen zur Verfügung, sagt Strache in einem APA-Interview. Für nicht ausgeschlossen hält er auch einen "Kanzler Strache", es "hat ja in Österreich Tradition, dass der Dritte zum Kanzler gewählt wird". Dass er weder von der SPÖ noch von der ÖVP als möglichen Partner gesehen wird, nimmt Strache gelassen, denn er rechnet angesichts der für die FPÖ guten Umfragen nach der Wahl entweder mit einem "radikalen" Umdenken oder mit einem Führungswechsel bei den Großen. Sein Wahlziel ist es, die 15 Prozent zu überspringen.

Strache will bei der bevorstehenden Wahl den dritten Platz von den Grünen zurückerobern und zwar mit einem möglichst kleinen Abstand zum Zweiten. Sein Ziel ist es außerdem, die Zwei-Drittel-Mehrheit von SPÖ und ÖVP zu brechen. Auf BZÖ-Chef Jörg Haider angesprochen, der sich einen Vizekanzler Strache vorstellen kann, schloss dieser nicht aus, sogar Kanzler zu werden. "Bei uns hat es ja Tradition, dass der Dritte zum Kanzler gewählt wird. Wenn ich Dritter werde, kann es durchaus sein, dass ich auch Kanzler werden kann", so Strache in Anspielung auf Wolfgang Schüssel nach der Wahl 1999.

Ja zu Zweierkoalition
Grundsätzlich sieht Strache nur eine Zweierkoalition als "tragfähig" an. Eine Dreierkoalition "kann nur sehr schwer und wahrscheinlich gar nicht funktionieren". Die FPÖ wolle daher so stark werden, dass sich eine Zweierkoalition mit SPÖ oder ÖVP ausgehe, so Strache.

Mit Spott reagierte Strache auf die wiederbelebte Freundschaft zwischen Haider und dem früheren FPÖ-Abgeordneten Ewald Stadler. Wenn das BZÖ "jede Ausschussware und jeden Restposten nimmt", greifen sich "die Bürger zu Recht auf den Kopf", höhnte Strache über die ehemaligen Parteifreunde. Und überhaupt würden die Wähler "Stadler bekommen, wenn sie Haider wählen", denn Haider wolle ja Kärntner Landeshauptmann bleiben. "Das ist für viele ein Alptraum, wenn sie plötzlich den Stadler mit dem Schaum vor dem Mund vorgesetzt bekommen", so Strache über seinen Intimfeind. Ob er von Stadler Rache befürchtet? "Ich befürchte von dem Herren alles."

Sieht Haider als "Polit-Clown"
Strache bezeichnete Haider als "Polit-Clown", dessen Bühne mittlerweile eine "ganz kleine Vorstadtbühne" geworden sei. Zum Argument, FPÖ und BZÖ könnten durch eine Wiedervereinigung auf 25 Prozent kommen, meinte Strache: "Das wäre genau so absurd, als wenn der Van der Bellen zu mir kommen und sagen würde, 'Herr Strache, bitte gehen wir zusammen, weil gemeinsam hätten wir über 20 Prozent'."

SPÖ und ÖVP warf Strache "schäbigen Populismus" vor. Sich selbst sieht er hingegen als ehrlichen Populisten, weil er zu seinen Positionen stehe, während Rote und Schwarze zur Stimmenmaximierung im Wahlkampf FPÖ-Forderungen aufstellen, die sie gar nicht vertreten. "Ich bin im positiven Sinn ein Populist", so Strache.

Beim Ausländer-Thema blieb Strache bei seinen bekannten Positionen. So meinte er etwa, der "überwiegende Teil der Asylwerber" seien "Asylmissbraucher", die "fleißig beim Drogen-Verkaufen angetroffen werden". Dass er in einem Atemzug von Zuwanderung und Aylwesen spricht, will Strache nicht als "bewusste Vermischung" verstanden wissen. Vielmehr hätte die Regierung diese zwei Bereiche "bewusst vermischt" und unter dem Asyl-Titel eine "versteckte Zuwanderung" vorgenommen.

(apa/red)