Strache-Fotos heizen Machtkampf in FPÖ wieder an: Affäre von Stadler angezündet?

Ex-Volksanwalt spricht von "infamen Unterstellungen"<br>Strache will Gespräch "in Ruhe und Sachlichkeit" DURCHKLICKEN: Paintball oder Wehrsportübung?

Strache-Fotos heizen Machtkampf in FPÖ wieder an: Affäre von Stadler angezündet?

In der FPÖ scheint wieder ein Flügelkampf ausgebrochen zu sein. Ausgelöst wurde der parteiinterne Konflikt durch Fotos, die FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache angeblich bei Wehrsportübungen zeigen. Unter Verdacht, das ganze angezündet zu haben, geriet Ewald Stadler. Der zuletzt als Präsident der Parteiakademie entmachtete Wahlniederösterreicher dementierte umgehend und sprach von "einer infamen Unterstellung". Strache hatte zuvor nicht ausgeschlossen, dass die Sache "eventuell von dieser Person ausgehend letztlich verbreitet worden ist". Die FPÖ-Spitze ist weitgehend auf Tauchstation gegangen.

Strache zeigte sich in der "ZiB2" "traurig und enttäuscht", "dass hier offenbar ganz gezielt falsche Gerüchte verbreitet" und "Dinge in einen falschen Kontext gestellt" worden seien, um seiner Person zu schaden. "Wir werden in aller Ruhe und Sachlichkeit in den Gremien einiges zu besprechen haben", so der Parteichef, der die Vermutung aufstellte, dass Stadler "enttäuscht" sein könnte, weil er sich "in der einen oder anderen Frage nicht durchgesetzt hat". "Zum Beispiel im Bereich der freiheitlichen Bildungseinrichtung", so Strache wörtlich. Gleichzeitig erteilte er aber Stadlers Forderung nach der Einrichtung einer katholischen Parte-Institution eine Absage: "Da ist der Ansprechpartner sicherlich nicht eine Partei, sondern wenn der Kardinal Schönborn."

Fotos gingen an Stadler
Stadler wiederum bestätigte gegenüber der APA, dass ihm die Fotos zugespielt worden sind und er sie samt einem Schreiben an seinen Nachfolger in der Volksanwaltschaft, Hilmar Kabas, weitergeleitet hat. "Von mir hat diese Bilder nur Kabas bekommen, sonst niemand. Die Behauptung, ich hätte die Bilder publik gemacht oder in Umlauf gebracht, ist falsch", so Stadler. Das ganze sei im Parteivorstand letztes Wochenende ausführlich behandelt worden und "umgehend beim BZÖ gelandet". An die Öffentlichkeit gekommen waren die Gerüchte auch durch BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz.

Viele Reaktion auf die Aufregung gab es nicht, da kaum jemand von der FPÖ erreichbar war. Einzig EU-Abgeordnete Andreas Mölzer bestritt, dass es einen parteiinternen Machtkampf gibt. Parteichef Strache bezeichnete er als "unbestritten". Darauf angesprochen, ob Stadler für ihn damit nicht unbestritten sei, meinte Mölzer: "Das ist eine andere Frage. Stadler ist als Abgeordneter auch unbestritten".

Im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) wurden die Fotos unterschiedlich bewertet. Während der Historiker Wolfgang Neugebauer sich durch die Bilder an die berüchtigten Wehrsportübungen in den neunziger Jahren erinnert fühlte, schloss ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, aus, dass die Aufnahmen bei den "Langenloiser Wehrsportübungen" entstanden sein könnten. Hätte Strache an den von der als "neonazistisch" eingestuften "Kameradschaft Langenlois" durchgeführten "Wehrsportübungen" teilgenommen, wäre er bereits schon früher auf Bildern aufgetaucht, so der Mitarbeiter. (APA/red)