Strache als ,Che‘? Warum die Jungen rechts gewählt haben. Eine Analyse.

Die Jungen haben rechts gewählt. Mehrheitlich und ohne erkennbare politische Präferenzen. Einfach, weil H. „Che“ Strache oder auch sein politischer „Onkel“ Jörg Haider cool sind. Nur so, just for fun, taxfrei nach dem Motto: „Zack die Bohne, Oida!“ Mit offenen Mündern stehen hochkorrekte politische Kommentatoren und ChefredakteurInnen vor dem Phänomen einer nachgewachsenen rechten Spaßwählerschaft, die sich auf Biegen und Brechen nicht in herkömmliche Denkschemata einordnen lässt. MTV regiert die Wahlkabine, irgendwie, und sogleich werden die Kassandrarufe der Älteren laut, wonach man es mit einer völlig entpolitisierten, angeblich nicht zurechnungsfähigen Generation von JungwählerInnen zu tun habe.

Das ist natürlich völliger Quatsch. Die Jungen wissen genau, was sie wollen, was sie haben wollen, was sie nicht wollen. Für sie ist Politik halt nicht die ewige Litanei von Wahlprogrammen, sondern „Pimp my Life“: Krieg ich einen Job als Automechaniker, als Friseurin, als Einzelhandelskaufmann, vielleicht sogar als Turnusarzt in einem Spital? Und warum kostet ein Samstagabend in einer Wiener Hütte inklusive Eintritt, zwei Krügerln Bier und ebenso vielen Tequilas 30 Euro? Also – um in der Währung der Altvorderen zu sprechen – runde 400 Schilling?

Die Proponenten der Systemparteien SPÖ und ÖVP schütteln degoutant den Kopf und suchen nach Erklärungen. Aber sie finden sie nicht. Weil sie wie blinde Hühner in ihrem Politstall gegen die Wände flattern, während die Wahrheit am freien Feld liegt. Dort nämlich, wo die Jungwähler ihre Entscheidungen treffen. Und wo sie sehen, wie Laura Rudas an der Seite ihres Parteichefs Werner Faymann im Doppelpack auf Wahlwerbung geht. Auf Kuschelkurs. Und Silvia Fuhrmann von der ÖVP sagt, die Jugend sei ihr „Steckenpferd“. Bekleidet mit Kostüm und Schal, den meine Großmutter nicht besser hätte binden können.

Zugegeben: Josef Cap ist mittlerweile auch ein Systempolitiker. Aber es gab eine Zeit, wo er im Parlament seinem eigenen SPÖ-Parteichef drei höchst unangenehme Fragen zu den privaten Umtrieben des damaligen burgenländischen Landeshauptmanns Theodor Kery gestellt hat. Auf Biegen und Brechen. Da wehte noch der Wind der Revolution. Heute ist es jener der Anpassung. Und der bläst in Straches Rücken.