Strabag-Aktie startet mit 50 € an der Börse: Plus von 6,4% über Ausgangspreis

Handelsvolumen bei 973.691 gehandelten Stück Größter Börsegang in Geschichte der Wiener Börse

Strabag-Aktie startet mit 50 € an der Börse: Plus von 6,4% über Ausgangspreis

Der österreichisch-deutsche Baukonzern Strabag SE ist an die Wiener Börse zurückgekehrt, der er 2003 den Rücken gekehrt hatte. Das Börsendebüt verlief trotz der hohen Bewertung des Unternehmens mit einem Ausgabepreis von 47 Euro erfolgreich: Eröffnet wurde der Handel mit 50 Euro, der Kurs stieg auf 50,84 Euro. Das ist ein Plus von 8,17 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Das IPO ist das bisher größte in der Geschichte der Wiener Börse.

Die Nachfrage auch der Privatanleger war groß - die Aktie war neunfach überzeichnet. Mit der Kapitalerhöhung um 19 Mio. Aktien fließen der Gesellschaft 893 Mio. Euro an frischem Kapital zu, Altaktionäre (Gruppe Haselsteiner, Raiffeisen Holding NÖ-Wien, UNIQA) verkauften 9,2 Mio. Anteilsscheine und lukrierten damit 432 Mio. Euro. Nach dem Börsengang befinden sich jeweils rund 25 Prozent in den Händen Haselsteiners, der Raiffeisengruppe und des russischen Milliardärs Oleg Deripaska, die durch ein Syndikat verbunden sind. Der Streubesitz hat einen Anteil von 25 Prozent und einer Aktie. Zum Ausgabekurs ist das Unternehmen, das an die 60.000 Menschen beschäftigt, 5,33 Mrd. Euro wert.

Rege war das Interesse auch des österreichischen Publikums. Insgesamt haben an die 100.000 Österreicher die Aktie gezeichnet, was bisher noch keinem Unternehmen bei einem Börsengang gelungen ist. Rund 40 Prozent der zugeteilten Aktien sind an Österreicher verkauft worden, etwa 26 Prozent davon an Kleinanleger, die restlichen knapp 15 Prozent an institutionelle Investoren. Die verbleibenden 60 Prozent gingen zur Hälfte an Fonds mit Sitz in England, die restlichen 30 Prozent teilen sich Investoren aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Polen, Norwegen und Russland auf.

Privatanleger, die über die Syndikatsbanken gezeichnet hatten, erhielten eine Zuteilung von 70 Stück sofern sie mehr geordert hatten, andere Kunden anderer Retailbanken bekamen deutlich weniger. Institutionelle und große Kunden sind laut Strabag-Boss Hans-Peter Haselsteiner auf ein Zehntel gekürzt worden. Haselsteiner sagte, die Strabag wolle eine "dauerhafte Beziehung" zu den Aktionären aufbauen.

Haselsteiner kündigte am Tag des IPO an, möglichst bald eine Zusammenführung mit der Kölner Strabag anzuführen, an der die SE etwa 64 Prozent hält. Voraussetzung sei, dass man ein faires Austauschverhältnis zwischen den beiden Aktien finde. "Wenn beide überbewertet sind, könnte sich eine solche Situation ebenso ergeben, wie wenn beide unter- oder beide richtig bewertet sind", sagte er. Die Strabag solle das erste Unternehmen werden, das über eine EU-Grenze fusioniere. "Wir haben im Konzern 30.000 Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache. Dass wir denen signalisieren, dass wir ein europäisches Unternehmen sind und nicht ein besserwisserisch-österreichisches, besserwisserisch-deutsches oder besserwisserisch-westliches, ist mir ein großes Anliegen."

Das eingesammelte Kapital soll für Wachstum im Hoffnungsmarkt Russland - aber nicht nur dort - verwendet werden. Das Hauptthema in Russland sei, "wie wir unsere beschränkten Kapazitäten möglichst gut einsetzen, ohne dass die Qualität leidet." Allein für die fünf größten russischen Infrastrukturvorhaben seien 30 Mrd. Euro nötig. Wolle Strabag nur als Fünftelpartner bei einem Eigenkapitaleinsatz von zehn Prozent dabei sein, benötige sie nur dafür 600 Mio. Euro. Ungeduld ließ Haselsteiner mit den Planungsfortschritten in der russischen Olympiastadt Sotschi durchblicken.

Der Streit mit dem Minderheitsaktionär der Stuttgarter Züblin scheint unterdessen noch länger nicht beendet zu sein. Minderheitsaktionär Eberhard Lenz wolle 100 Mio. Euro mehr als er zu zahlen bereit sei. "Vier Prozent wären die jährlichen Zinsen darauf. Wenn ich jedes Jahr 300.000 an Anwaltskosten für diese Auseinandersetzung verwende, sparen meine Aktionäre viel Geld. Das kann die nächsten hundert Jahre so gehen."

(apa/red)