Story wie im Märchen: Segolene Royal auf dem Weg zur ersten Präsidentin Frankreichs

53-jährige Sozialistin legte rasanten Aufstieg hin Mutter von vier Kinder wurde in Senegal geboren

Story wie im Märchen: Segolene Royal auf dem Weg zur ersten Präsidentin Frankreichs

Der "kometenhafte" Aufstieg von Segolene Royal hat alles, was ein modernes Märchen braucht: Ein schüchternes Mädchen aus der französischen Provinz kehrt dem strengen Elternhaus den Rücken, zieht mit Charme an den männlichen Rivalen vorbei und will nun Frankreichs erste Präsidentin werden. Die 53-jährige Sozialistin und Mutter von vier Kindern setzte sich bei der Kandidatenkür ihrer Partei gegen ihre beiden Konkurrenten schon im ersten Wahlgang durch.

Noch vor drei Jahren hätte der Name Royal den meisten Franzosen nichts gesagt. Ihr rasanter Aufstieg hat allerdings auch den Druck auf sie erhöht, ihre politischen Vorhaben klar aufzuzeigen. Kritiker, nicht nur aus dem Regierungslager, werfen Royal vor, sie kokettiere vor allem mit ihrem guten Aussehen und populistischer Rhetorik, sie biete nicht viel mehr als romantische Idealvorstellungen statt handfester Inhalte. In einer Fernsehdebatte vor der Kandidatenkür zeigte sie sich davon überzeugt, dass "eine bessere Welt möglich sei".

Schneller Sprung ins Rampenlicht
Sehr schnell gelang Royal mit einer Hand voll ungewöhnlicher Vorschläge der Sprung ins Rampenlicht - und die Medien lieben sie. Ihr jugendliches Gesicht findet sich mittlerweile auf zahlreichen Buchtiteln ebenso wie auf den Titelseiten großer Zeitschriften. Sie weiß, die Medien für sich zu nutzen: Nach der Geburt ihres vierten Kindes, damals war sie Umweltministerin unter Präsident Francois Mitterrand, bestellte sie Kamerateams und Fotografen an ihr Krankenhausbett.

Bewusste Abgrenzung von Partei
Doch nicht nur bei den Medien konnte sie landen. Auch die Menschen erreichte sie mit ihrer direkten Art. Oftmals über die Köpfe führender Parteikollegen hinweg, wandte sie sich unmittelbar ans Volk und grenzte sich dabei bewusst zur Partei ab - so etwa mit ihren radikalen Vorschlägen zur Eindämmung der Jugendkriminalität oder der Idee, eine Art Bürger-Gericht einzurichten, vor dem sich Abgeordnete verantworten müssen. Einige ihrer Parteikollegen haben ihre Ideen als "unsozialistisch" gebrandmarkt.

"Madame la Ministre"
Mit ihrem oft feministischen Auftreten entfachte sie zudem zahlreiche öffentliche Diskussionen. So bestand sie darauf, mit "Madame la Ministre" angeredet zu werden - was einen Streit unter Sprachwissenschaftlern auslöste. Für Aufregung sorgte sie zudem mit der Anordnung, die "Pille danach" an Schulen frei zu verteilen, um die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei jungen Frauen zu verringern. Gegen den Widerstand des damaligen Finanzministers Laurent Fabius setzte sie durch, dass Väter nach der Geburt eines Kindes zwei Wochen zu Hause bleiben dürfen.

1953 in Dakar geboren
Royal wurde 1953 in der senegalesischen Hauptstadt Dakar geboren. Zusammen mit sieben Geschwistern wuchs sie auf dem Land im Osten Frankreichs auf. Ihr Vater, ein Offizier, machte keinen Hehl daraus, was seiner Meinung nach eine Frau zu tun hat: ihren Ehemann unterstützen. Gegen seinen Wunsch ging sie zum Politik-Studium nach Paris. In der Kaderschmiede der französischen Verwaltungselite ENA, die sie danach durchlief, lernte sie ihren Lebenspartner und Vater der gemeinsamen vier Kinder kennen: Sozialisten-Chef Francois Hollande. Für die beiden ist die private und politische Nähe offenbar kein Problem. "Demokratie ist wie Liebe", sagte Royal im Parlament. "Je mehr man davon bekommt, desto größer wird sie. (apa/red)