Stimmauszählung in Kenia verzögert sich:
Partei von Raile Odingo erwägt Beschwerde

Herausforderer sehen darin Manöver der Regierung Odingo und Präsident Kibaki geben sich siegessicher

Stimmauszählung in Kenia verzögert sich:
Partei von Raile Odingo erwägt Beschwerde

Die Auszählung der Stimmen für die Präsidentenwahl in Kenia hat sich zum erwarteten spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem 76-jährigen Amtsinhaber Mwai Kibaki und dem 62-jährigen Oppositionspolitiker Raila Odinga entwickelt. Erste inoffiziellen Ergebnissen zufolge lag Kibaki leicht hinter seinem Rivalen zurück, er könnte sein Amt verlieren.

Die Wahl selbst war reibungslos verlaufen, was nach teilweise blutigen Auseinandersetzungen während des Wahlkampfs nicht unbedingt zu erwarten war. Bis zur Schließung der Wahllokale habe es keine Hinweise auf Betrug gegeben, sagte der deutsche Leiter der EU-Wahlbeobachterdelegation, Alexander Graf Lambsdorff. "Aber wir sollten bedenken, dass die Auszählung noch vor uns liegt." Rund 30.000 Beobachter begleiteten den Verlauf der Wahl.

"Die Demokratie erlaubt uns, frei zu sein"
Auch im Nyayo-Stadion von Nairobi wurden die Siegel der Wahlurnen geöffnet und die Stimmzettel vor den Augen zahlreicher Beobachter gezählt. "Die Demokratie erlaubt uns, frei zu sein", sagte Reuben Onsongo, ein Vertreter von Odingas Demokratischer Bewegung, der seit 03.00 Uhr die Auszählung beobachtete. Auch aus dem ganzen Land trudelten die Ergebnisse ein. Der Ausgang schien aber so knapp zu sein, dass sich niemand von den Parteivertretern zu vorschnellen Äußerungen hinreißen ließ. Das kenianische Fernsehen meldete, für Odinga seien 1.170.330 Stimmen und für Kibaki 807.530 gezählt worden.

Doch nur Stunden nach Beginn der Auszählung verzögerte sich dann aber die Veröffentlichung der Ergebnisse. Odingas Partei Orange Democratic Movement (ODM) mutmaßte hinter der Verzögerung ein Manöver der Regierung. Die Wahlhelfer seien wahrscheinlich angewiesen worden, "langsam auszuzählen, und wir denken über eine Beschwerde wegen der Verzögerung nach", sagte ODM-Sprecherin Rose Lukalo.

Ursache für die verzögerte Veröffentlichung des Wahlergebnisses könnte neben logistischen Problemen und der verspäteten Schließung einiger Wahllokale die hohe Wahlbeteiligung sein. Außerdem fanden gleichzeitig mit der Abstimmung über den künftigen Präsidenten auch Parlaments- und Kommunalwahlen statt.

Prominente Verlierer
Einige prominente Verlierer der Wahl standen jedoch bereits fest. Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai verlor Medienberichten zufolge ihren Parlamentssitz. Bei der Wahl war die Umweltschützerin einem Kandidaten der nationalen Einheitspartei von Präsident Kibaki unterlegen. Doch auch Kibakis Kabinettsmitglieder verloren ersten Auszählungsergebnissen zufolge bei der Wahl. Gleich 14 Minister schafften nicht die Wiederwahl ins Parlament. Sie unterlagen meist Kandidaten von Odingas Orangenen Oppositionsbündnis, berichtete die Zeitung "The Standard" in ihrer Online-Ausgabe.

In Washington lobte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tom Casey, die hohe Wahlbeteiligung, die bei rund 70 Prozent lag. Für die Wahl hatten sich rund 14 Millionen der 36 Millionen Kenianer registrieren lassen. Neben dem Präsidenten wurden auch ein neues Parlament mit 210 Abgeordneten und mehr als 2.000 Stadträte gewählt.

(apa/red)