Stilfragen von

Glückskekse

Über die Farbauswahl der Kleider von Rihanna und Queen Elizabeth

Ela Angerer © Bild: News

Wäre Rihanna ein Picknickkorb, dann keiner mit gespritztem Apfelsaft und klassischen Sandwiches, sondern einer mit tausend süßen und salzigen Überraschungen: Kaum hat man sich an ihren Hip-Hopper-Macho- Proll-Look gewöhnt, stöckelt sie im dunkelblauen Seidenpyjama ins Restaurant. Kaum hat man sie im Smoking mit Josephine-Baker-Frisur bewundert, sieht man auf dem Fernsehbildschirm ein Großraumtaxi vorfahren – aus dem Wagen ploppen Berge von rosa Tüll, auf deren höchstem Gipfel der lächelnde Kopf der Karibikschönheit steckt. Auf unserem Bild trägt die Sängerin ein Babydoll-Kleid in Giftgrün – ein Grün, in das Karl Lagerfeld nicht einmal die Männer von der Straßenmeisterei stecken würde, bevor sie nachts die Leuchtstreifen auf der Autobahn auftragen. Man kann förmlich hören, wie der Chanel- Designer mit seinen Dior-Stiefeletten aufstampft und ruft: „Nur über meine Leiche! Dieser Farbton macht bei Menschen aller Couleurs den schlechtesten Teint.” Aber Rihanna kann das. Genauso wie übrigens auch die Queen: Vergangene Woche feierte die britische Königin ihren Neunziger. Als Geburtstagsoutfit wählte sie ein Kostüm in der Farbe eines fluoreszierenden Textmarkers. Stundenlang sah man sie fröhlich aus ihrer goldenen Cabriolet-Kutsche winken. Neben ihr schwitzte Prinzgemahl Philip, in roter Uniform und turmhoher Bärenfellmütze, dahinter jubelte das Volk. Fuchsjagd, quo vadis? Brexit, ja oder nein? Egal. Die Queen überstrahlte alle quälenden Fragen, verkleidet als Preisschild eines Diskontanbieters. Und wir, die wir uns Tag für Tag um ein fesches Outfit bemühen, können von den beiden Damen nur lernen: Eine starke Frau, die richtig gut drauf ist, kann nämlich alles sein, sogar der leuchtende Fehler im Bild.

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