Stilfragen von

Spar deine Tränen, Gwen

Ela Angerer über Gwen Stefanis gescheiterten Trennungspop und richtige Popsongs

Ela Angerer © Bild: News

Immer wieder können wir beobachten, dass sich ganz fantastische Frauen mit ihrem genauen Gegenteil paaren: Sie glauben an die große Liebe mit einem kleinen, konturlosen Unsympathler. Schon bei Liz Taylor blieb Richard Burton die Ausnahme – der Rest waren Bodybuilder, Taxifahrer und verkrachte Gastronomen.

Auch Gwen Stefani, Sängerin der Band No Doubt („Don’t Speak“), Solokünstlerin und Modemacherin, schlägt sich mit Kerlen weit unter ihrem Niveau herum: 13 Jahre lang war die begabte und wunderschöne Künstlerin mit Gavin Rossdale verheiratet, einem mauszähnigen, pferdeschwanztragenden Musiker, dem selten ein Lächeln über die Lippen kommt. Jetzt haben sich die beiden getrennt. Rossdale ist seither mit dem Kindermädchen zusammen. Und was macht Stefani? Ist sie mit ein paar lustigen Freundinnen in die Karibik geflogen? Hat sie ihren grantigen Ex auf allen Social-Media-Kanälen blockiert? Nein. Die Frau, die vor zwanzig Jahren ihre erste gescheiterte Liebe zu einem der besten Herz-Schmerz-Hits aller Zeiten verarbeitete, hat wieder einen Song geschrieben. Diesmal allerdings keine coole Rocknummer wie damals, sondern eine beleidigte, weinerliche Scheidungsballade. „Niemand hat dir beigebracht, zu lieben“, schimpft Stefani in „Used To Love You“. Und: „Ich dachte, du liebst mich mehr als alles andere.“ Im Video dazu kullern der 46-Jährigen ein paar dramatische Tränen über das viel zu stark geschminkte Gesicht. Warum musste es so enden, fragt man sich fassungslos. Hat die Mittelmäßigkeit ihres Mannes am Ende doch auf sie abgefärbt?

Liebe Gwen, du weißt doch, dass ein richtiger Popsong anders geht. Da singt man darüber, dass man Watte im Hirn hat (Taylor Swift), oder dass irgendeine Schlampe endlich ihre Schulden zahlen soll (Rihanna).

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