Stickler redete mit Teamführung Tacheles:
Zusammenkunft mit Brückner, Herzog & Co.

'Kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen' ÖFB-Präsident nimmt ganzes Team in die Pflicht

Stickler redete mit Teamführung Tacheles:
Zusammenkunft mit Brückner, Herzog & Co. © Bild: APA/Jäger

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler hat mit Fußball-Teamchef Karl Brückner und dessen Assistenten Jan Kocian, Andreas Herzog sowie in Anwesenheit von Generalsekretär Alfred Ludwig in Sachen unbefriedigender Leistungen in den Länderspielen auf den Färöern (1:1) und gegen Serbien (1:3) Tacheles geredet. "Wir haben alle miteinander Klartext gesprochen. Die sportliche Leitung geht mit mir konform, dass es nicht möglich ist, in der aktuellen Lage einfach zur Tagesordnung überzugehen", ließ Stickler via Presseaussendung wissen.

In der Pflicht steht das ganze Nationalteam, das zuletzt von allen Seiten hatte Kritik einsteckten musste. "Es muss allen klar sein, dass es für jeden eine Ehre und eine Verpflichtung sein muss, sein Land als Betreuer oder Nationalspieler zu repräsentieren und dafür vollsten Einsatz auf und abseits des Platzes zu zeigen", forderte Stickler nach dem rund zweieinhalbstündigen Treffen. Bei nur sieben Siegen in den jüngsten 37 Länderspielen unter verschiedenen Teamchefs seit August 2005 müsse jeder Spieler zur Kenntnis nehmen, dass es keine Garantien geben könne, einberufen zu werden.

Brückner bestens informiert
Gefragt, so der Lotterien-Chef, seien nur jene Aktiven, deren Einstellung zu hundert Prozent in Ordnung ist und die diese auch in den Matches beweisen. "Darin herrscht voller Konsens zwischen dem Trainerstab und mir", betonte der ÖFB-Präsident, der in dem Gespräch die Bestätigung erhielt, dass Brückner über die aktuellen und potenziellen Teamkicker bestens informiert sei und "sein" Teamchef nicht nur DVDs nationaler und internationaler Spiele studiere, sondern genauso auf Informationen seiner ÖFB-Trainerkollegen sowie von ihm beauftragter Vertrauter setze. Die Brückner-"Spione" würden Ligen in England, Deutschland, Russland und den Niederlanden beobachten.

Der Tscheche selbst, der mit seinem Chef am Freitag nochmals kurz sprach, kündigte gegenüber Stickler an, dass er am Samstag in Hütteldorf dem Bundesliga-Spiel Rapid - SV Mattersburg beiwohnen werde und das nächste Wiener Derby im November als Besucher fix eingeplant habe. Der Teamchef, der sich sofort nach dem Serbien-Match nach Olmütz zurückgezogen hatte, auf eine obligatorische Pressekonferenz zur genauen Analyse am Tag danach verzichtet hatte und so viele offene Fragen unbeantwortet gelassen hatte, zeigte sich nach dem Treffen mit Stickler voller Tatendrang.

Teamchef trifft Bundesliga-Trainer
Brückner wird in den Wochen nach dem Türkei-Länderspiel (19. November in Wien) mit den Bundesliga-Trainern - wie es heißt - persönliche Gespräche führen und wiederholte, was er schon nach der jüngsten Niederlage sinngemäß gesagte hatte: "Wir haben die Pflicht, weiter um die kleine Chance in der WM-Qualifikation zu kämpfen. Wir brauchen jeden Punkt, um in der Weltrangliste weiter nach oben zu kommen. Dafür müssen wir uns natürlich verbessern." Auch er wäre nach dem Remis und der Niederlage natürlich sehr enttäuscht gewesen, gab er zu.

"Weil wir im Gegensatz zu den ersten drei Spielen (Italien, Frankreich, Litauen, Anm. d. R.) nicht gut gearbeitet haben. In Litauen war zwar das Ergebnis nicht okay, doch hat die Mannschaft bis zum Schlusspfiff alles versucht. Das war beispielsweise gegen Serbien vor allem in der ersten Hälfte nicht der Fall", meinte der 68-Jährige, der ankündigte, gegen die Türken und im Februar gegen Schweden "anderen Spielern eine Teamchance" zu geben. "Die zwei Matches sind als Qualifikation für die weiteren Begegnungen anzusehen."

Tscheche spürt Belastung
Die schlechten Leistungen seiner Spieler sind auch an dem Routinier nicht spurlos vorübergegangen. "Die Belastung in den vergangenen Wochen und Monaten war auch für mich sehr groß und die Situation ist natürlich nicht einfach, dennoch bin ich sicher, dass wir die kommende Herausforderungen mit der Nationalmannschaft gemeinsam meistern werden", meinte der Tscheche, dessen Schützlinge bis zum Türkei-Länderspiel noch ein ernstes Wort ihres Präsidenten zu hören bekommen werden.

Die heftige Kritik am ÖFB, die beispielsweise von der Vereinigung der Fußballer (Vdf) zu hören war, verhallte ohne Echo. Die Gewerkschaft hatte nach den dürftigen Resultaten gefordert: "Es wäre an der Zeit, sich einer Diskussion zu den grundlegenden Problemen innerhalb des ÖFB zu stellen, um nachhaltige Verbesserung erzielen zu können." Der VdF-Vorsitzende Oliver Prudlo sieht im Verband ein Funktionärsproblem und vermisst außerdem überfällige Strukturverbesserungen. Andere Ex-Kicker sehen auch ein Problem in der Ausbildung.

(apa/red)