Stichwort: Phosgen! Heute eine wichtige Verbindung in der chemischen Industrie!

Kampfstoff "Grünkreuz" im ersten Weltkrieg

Phosgen ist die gebräuchliche Bezeichnung für Kohlenoxiddichlorid oder Carbonylchlorid (COCl2), dem Dichlorid der Kohlensäure. Phosgen ist ein sehr giftiges Gas, dessen Geruch als süßlich faul - wie von altem Obst - beschrieben wird. Es wird heute noch in der chemischen Industrie verwendet.

Im ersten Weltkrieg wurde es hauptsächlich von den Deutschen, aber auch von Briten und Franzosen an der Westfront verwendet. Es wurde als chemisches Kampfmittel - als so genannter Lungenkampfstoff - eingesetzt. Auf Grund seiner schlechten Wasserlöslichkeit kann es beim Eindringen in die Lunge bis zur Blut-Luftschranke in den Alveolen gelangen und zersetzt sich mit der dort vorhandenen Feuchtigkeit allmählich zu Kohlendioxid und Salzsäure, welche die Lunge verätzt.

Dies führt je nach Dosis binnen Sekunden oder auch nach wenigen Stunden - in denen das Opfer bei vollem Bewusstsein an würgendem Husten leidet - zum Tod. Im Gegensatz zu dem auf Schwefel- bzw. Stickstoffbasis hergestellten Senfgas (Gelbkreuz oder auch Yperit), das auch über die Haut in den Körper gelangt, wird Phosgen nur durch die Lunge aufgenommen.

Die deutsche Bezeichnung dafür lautete "Grünkreuz", weil die mit Gas gefüllten Granaten mit einem grünen Kreuz markiert waren, um sie von "normalen" Spreng- oder Splittergranaten zu unterscheiden. Erstmals eingesetzt wurde Grünkreuz von den Deutschen in der Schlacht beim belgischen Ypern im Mai 1915.

Phosgen kann laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia in organischen Lösungsmitteln gelöst werden, wie z.B. in Benzol, Toluol oder Chlorbenzolen. Es löst sich in Wasser unter rascher Zersetzung zu Kohlenstoffdioxid und Salzsäure, weshalb die organischen Lösemittel wasserfrei gemacht werden müssen, sollen diese zur Synthese oder Arbeit mit Phosgen verwendet werden. Phosgen wird unter katalytischem Einfluss von Aktivkohle aus Kohlenmonoxid und Chlor hergestellt.

Phosgen ist in der Chemieindustrie ein wichtiger Synthesebaustein z.B. zur Herstellung von Carbonsäurechloriden und Polyurethanen sowie Polycarbonat-Kunststoffen, das zur Herstellung von Makrolon (für CD) und anderen Zwischenprodukten dient, die dann für die Produktion von Medikamenten, Farbstoffen und Insektiziden verwendet werden. Wegen seiner Gefährlichkeit wird es überwiegend innerhalb derselben Anlage erzeugt, in der es auch verbraucht wird, so dass kein Transport nötig ist. (apa)