Steve Jobs zieht sich aus Tagesgeschäft zurück: Apple-Aktienkurse auf Talfahrt

Aktie verliert in New York vier Prozent vorbörslich Tim Cook übernimmt erneut die Tagesagenden

Steve Jobs zieht sich aus Tagesgeschäft zurück: Apple-Aktienkurse auf Talfahrt © Bild: Bil,d: APA/EPA

Steve Jobs ist wie kein zweiter Chef zum Synonym für sein Unternehmen Apple geworden. Der Erfolg des kalifornischen Elektronikherstellers ist daher untrennbar mit seiner Leitfigur verbunden. Dies zeigte sich gestern erneut, nachdem Jobs angekündigt hatte, sich aus gesundheitlichen Gründen vom Tagesgeschäft zurückzuziehen. Dieses übernimmt nun Tim Cook, der das operative Geschäft leitet.

Seinen Rückzug teilte Steve Jobs seinen Mitarbeitern in einer E-Mail mit. Details zu seiner Krankheit gab er in dieser nicht bekannt. An der Frankfurter Börse begab sich die Apple-Aktie daraufhin auf Talfahrt und verlor am Montag sechs Prozentpunkte. Da an diesem Tag in den USA ein Feiertag war, fand an der New Yoker Börse kein Handel statt. Die Apple-Aktie sackte dort daher erst am Dienstag ab und dies vorbörslich um vier Prozent.

Nach US-Börsenschluss wird Apple am Dienstag die Zahlen für das erste Geschäftsquartal präsentieren. Dieses reicht von Oktober bis Dezember und beinhaltet somit auch die Verkaufszahlen des Weihnachtsgeschäfts. Apple hat bereits neue Redordergebnisse in Aussicht gestellt.

Die vom Finanzdienstleister Bloomberg befragten Analysten rechnen damit, dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 55 Prozent auf 24,4 Milliarden Dollar, umgerechnet 8,3 Milliarden Euro gestiegen ist. Den Gewinn taxieren sie um 47 Prozent höher bei rund 5,0 Milliarden Dollar. "Meine Einschätzung ist, dass es ein Knaller wird", kommentierte Fondsmanager Michael Binger die erwarteten Zahlen. "2011 ist schon im Sack." So denken viele Apple-Anleger, weshalb die Aktie in den vergangenen Monaten immer neue Bestmarken erklommen hatte. Apple ist mit über 300 Milliarden Dollar mehr wert als jeder andere Technologiekonzern.

Dritte Auszeit des Apple-Mitbegründers
Weil Steve Jobs zum dritten Mal seit 2004 für ungewisse Zeit ausfällt, bekommen nun einige Investoren kalte Füße und verkaufen ihre Aktien. 2009 musste sich der Apple-Mitbegründer einer Lebertransplantation unterziehen, fünf Jahre zuvor wurde er wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert. In beiden Fällen nahm er sich eine Auszeit. Die Vorstellung neuer Produkte lies sich Steve Jobs dennoch meist nicht nehmen. Und von diesen gab es in den letzten Jahren einige, die die IT-Welt revolutionierten. Der iPod verkaufte sich seit seiner Markteinführung im Jahr 2001 bereits 250 Millionen Mal. Das Smartphone iPhone stellte den Mobilfunkmarkt auf den Kopf und fand ebenso wie das Tablet iPad bereits zahlreiche Nachahmer. Apple konnte mit all diesen technischen Innovationen der Konkurrenz Marktanteile streitig machte.

"Der Markt sieht Steve Jobs als treibende Größe für Apples strategische Ausrichtung", sagt Technologie-Analyst Richard Windsor von Nomura. Die Aktien des Konzerns steigen und fallen daher auch mit der Fähigkeit Jobs, das Unternehmen zu führen. Es mehren sich daher die kritischen Stimmen, die fordern, dass der 55-Jährige diese Aufgabe ganz abgibt, zum Beispiel an Tim Cook. Unter Cooks letzter kommissarischer Leitung von Jänner bis Juni 2009 hatten Apple-Aktien um etwa 70 Prozent zugelegt.

Vom Studienabbrecher zum Multimillionär
Jobs kann mit seinen 55 Jahren bereits auf eine steile Karriere zurückblicken. In den späten 1970er Jahre begründete er mit seinem Freund Steve Wozniak die Erfolgsgeschichte von Apple. Ihr zweiter Computer, der Apple II, war ein Technologiesprung, der einen ersten Einblick in das Potential der Firma gewährte. 1980 folgte der Börsengang, der den Studienabbrecher Jobs zum Multimillionär machte. 1983 warb er um den Pepsi-Chef John Sculley für den Vorstandsposten mit der Frage: "Willst du den Rest deines Lebens damit verbringen, Zuckerwasser zu verkaufen oder willst du eine Chance, die Welt zu verändern?" Ein Jahr später kam der Macintosh auf den Markt - der erste Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche.

Nach Differenzen mit Sculley und einem Machtkampf mit dem Direktorium verließ Jobs Mitte der 1980er Jahre den Konzern und gründete die Firma NeXT. Diese wiederum wurde von Apple später gekauft und brachte den Konzern-Mitbegründer wieder ins Herzen des Konzerns. Der angebissene Apfel als Logo entstand. Steve Jobs widmet sich nicht nur Apple, sondern ist auch der Mitbegründer des Animationsstudios Pixar, bei dem Jobs heute Mitglied des Verwaltungsrats und größter Einzelaktionär ist.

(apa/red)