Budget von

Volksbefragung über
Steuerreform gefordert

ÖVP-Klubchef Lopatka dagegen, SPÖ-Geschäftsführer Darabos über Initative erfreut

Kampf um die Steuerreform. © Bild: Thinkstock

Der Kampf um eine Steuerreform in Österreich geht weiter. Die von der ÖVP gestellten AK-Präsidenten in Tirol und Vorarlberg machen weiter Druck und verlangen die Einleitung einer Volksbefragung, unter anderem zur sofortigen Senkung der Lohnsteuer. Zudem verliehen die Interessensvertreter ihren Forderungen in einem offenen Brief an alle Nationalratsabgeordneten Ausdruck.

Wie die "Tiroler Tageszeitung" und die "Vorarlberger Nachrichten" (Donnerstag-Ausgaben) berichteten, kündigten der Tiroler Erwin Zangerl und sein Vorarlberger Pendant, Hubert Hämmerle, überdies eine Unterschriftenaktionen in beiden Bundesländern an. Sie schlagen vor, den Eingangssteuersatz von derzeit 36,5 Prozent auf 20 Prozent zu senken. Gelten solle dieser ab einem Bruttoeinkommen von 12.000 Euro im Jahr. Zudem sprechen sich die schwarzen AK-Präsidenten für eine Umstellung von derzeit vier auf sechs Steuertarife aus. Der höchste Tarif solle ab einem Bruttojahreseinkommen von 84.000 Euro greifen, statt wie derzeit ab 60.000 Euro.

Abschaffung der kalten Progression gefordert

Gefordert wurde zudem einmal mehr die Abschaffung der kalten Progression. In der Frage der Gegenfinanzierung der Steuersenkung spielten die Präsidenten den Ball an ihren Parteifreund, Finanzminister Michael Spindelegger weiter. "Die Gegenfinanzierung ist nicht unsere Aufgabe. Dem Finanzminister steht es aber frei, ein Gegenfinanzierungsmodell aufzustellen", sagte Zangerl der "TT". Das Verlangen nach einer Vermögenssteuer zur Gegenfinanzierung hielt er jedoch aufrecht. Dabei gehe es nur um wirklich große Vermögen über einer Million Euro. Eine moderate Anhebung der Vermögenssteuer würde fünf Milliarden Euro bringen, rechnete der Tiroler AK-Präsident vor.

Auch Hämmerle griff zu scharfen Formulierungen und wollte sich nicht den Mund verbieten lassen. "Ich bin meinen Mitgliedern verantwortlich und nicht der Partei", betonte er in den "VN". "Die arbeitenden Menschen sollen für die Finanzmisere zahlen, während die Reichen immer noch reicher werden. Das ist doch die wirkliche Sauerei. Der Bundes-ÖVP muss klar gemacht werden: Es gibt in dieser Republik nicht nur Unternehmer, Bauern und Beamte."

Darabos über Vorstoß erfreut

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos hat sich am Donnerstag erfreut über die Initiative der schwarzen AK-Präsidenten gezeigt. In einer Aussendung appellierte er an den Koalitionspartner ÖVP, jetzt zügig mit der SPÖ eine solche Reform zu erarbeiten, die bereits mit 2015 wirksam werden solle.

"Wer bei der Steuerreform bremst, verliert - nämlich die Zustimmung der Bevölkerung. Wir sind es den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schuldig, umgehend ans Werk zu gehen, um diese so bald wie möglich steuerlich deutlich zu entlasten", so Darabos. Er sei zuversichtlich, die ÖVP von einer Steuerentlastung schon im kommenden Jahr überzeugen zu können.

Es zeige sich, dass immer mehr Vertreter der ÖVP diesen "Kurs der Vernunft" einschlagen und die Forderung der Sozialdemokratie inhaltlich voll unterstützen würden, meinte er. Darabos verwies in dem Zusammenhang auch auf den einstimmigen Beschluss des ÖGB-Vorstandes vom Mittwoch, der "ein starker Rückenwind für unser Anliegen" sei.

Lopatka gegen "No-Na-Volksbefragung"

Mit einer Absage an eine "No-Na-Volksbefragung" hat ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka auf die Forderungen reagiert. Auch er sei für eine Steuerentlastung, man müsse aber ehrlich an die Sache herangehen, so Lopatka. Eine Steuerreform sei nur über Strukturreformen, und nicht über neue Steuern zu finanzieren.

Natürlich könne man eine Befragung der Bevölkerung machen. Die Frage müsste dann aber lauten, ob die Entlastung über neue Steuern oder über eben diese Reformen erfolgen solle.

"Wer jetzt sofort eine Reform verlangt, schürt das nächste Belastungspaket von morgen." Für Lopatka sind Reformen bei den großen Kostentreibern im Budget, etwa bei den Pensionen und den ÖBB, der Schlüssel zu einer nachhaltigen und ehrlichen Entlastung für Familien und den Mittelstand. Diese brauchten aber zweifelsohne eine gewisse Zeit.

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