Frankreich von

Passive Sterbehilfe bei
Schwerkrankem verboten

Kaum noch Bewusstseinsanzeichen - 38-Jähriger wird trotzdem weiter künstlich ernährt

Patient in Krankenhausbett © Bild: Thinkstock

Ein Gericht in Frankreich hat die passive Sterbehilfe für einen querschnittsgelähmten 38-Jährigen verboten, bei dem nur noch geringfügige Bewusstseinsanzeichen vorhanden sind. Das Verwaltungsgericht von Chalons-en-Champagne im Nordosten des Landes ordnete am Donnerstag an, dass die künstliche Ernährung des Mannes fortgesetzt werden muss.

Die Ärzte der Uni-Klinik von Reims hatten in Absprache mit der Frau des 38-Jährigen und einem Teil seiner Familie beschlossen, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden. Gegen die Entscheidung hatten die Eltern, eine Schwester und ein Halb-Bruder des Mannes geklagt.

Verkehrsunfall vor fünf Jahren

Der Mann ist seit einem Verkehrsunfall vor fünf Jahren gelähmt. Er kann nicht mehr sprechen, laut seinen Medizinern kommuniziert er mit seinem Umfeld höchstens noch per Augenkontakt, ohne dass dabei klar ist, ob er Informationen wirklich verarbeiten kann. Nachdem der Kranke mehrfach Widerstand gegen seine weitere Pflege hatte erkennen lassen, beschloss die Klinik bereits im vergangenen Jahr zusammen mit der Frau und weiteren Angehörigen, passive Sterbehilfe zu leisten. Schon damals hatten die Eltern geklagt und vor Gericht Recht bekommen.

Am vergangenen Samstag dann kündigten die Ärzte gemeinsam mit der Frau und anderen Angehörigen an, die künstliche Ernährung einzustellen. Das Gericht befand nun, dass die künstliche Ernährung nicht "unverhältnismäßig" sei und auch nicht nur der künstlichen Aufrechterhaltung des Lebens diene. Die Klinik und einige Familienangehörige wollen möglicherweise in Berufung gehen.

Zustand "unumkehrbar"

In der Anhörung am Mittwoch hatte die staatliche Berichterstatterin die Einschätzung vertreten, dass der Zustand des Patienten zwar "unumkehrbar" sei, dass er aber noch bei minimalem Bewusstsein sei und "unmöglich" über seinen Lebenswillen geurteilt werden könne. Die Frau des 38-Jährigen, die praktisch täglich bei ihm in der Klinik ist, will ihrem Mann hingegen unnötiges Leid ersparen.

Wie in den meisten europäischen Staaten ist in Frankreich die aktive Sterbehilfe verboten, aber auch die Beihilfe zur Selbsttötung. In einem Gesetz aus dem Jahr 2005 ist aber das Recht verankert, unheilbar Kranke an deren Lebensende "sterben zu lassen", damit diese nicht mehr leiden müssen. Der Anwalt der Eltern des 38-Jährigen hatte argumentiert, dieser sei zwar behindert, nicht aber unheilbar krank oder am Ende seines Lebens.

Neues Gesetz zur Sterbehilfe in Arbeit

Die sozialistische Regierung bereitet derzeit ein neues Gesetz zur Sterbehilfe vor. Zuletzt hatte sich im Dezember ein Bürgergremium im Auftrag von Staatschef Francois Hollande dafür ausgesprochen, für sterbende oder unheilbar kranke Patienten die Beihilfe zur Selbsttötung zu erlauben. Aktive Sterbehilfe soll hingegen im Regelfall verboten bleiben. Bei der Beihilfe zur Selbsttötung besorgt ein Mediziner dem Patienten todbringende Medikamente und verabreicht sie - anders als bei der aktiven Sterbehilfe - nicht direkt.

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