Stephen King über neues Buch "Doctor Sleep"

Überrascht von Rummel: "Ich bin doch nur ein Autor und kein Victoria's Secret Model"

Stephen King hat am Dienstagabend im Münchner Circus Krone sein neues Werk "Doctor Sleep" vorgestellt. Vom großen Rummel zeigte sich der Autor von Büchern wie "Sie" oder "Es" überrascht. "Ich bin doch nur ein Autor und kein "Victoria's Secret"-Model", sagte er zu den vielen Fotografen. Gut gelaunt hielt er sich sein Buch vor das Gesicht: "Ach ja, das Produkt!"

von Stephen King in Deutschland © Bild: APA/EPA/T. Hase

Die Lesung in München war Kings erster Auftritt in Deutschland. Und nicht nur deutsche Fans waren extra angereist, auch Anhänger aus Italien, die ihm zu Ehren sogar ein Plakat gebastelt hatten wie sonst bei Rockkonzerten üblich. "Wir huldigen dem King" stand in englischer Sprache darauf.

Fortsetzung von "Shining"

Kings neues Buch ist eine Fortsetzung seines Klassikers "Shining" und erzählt, wie es mit Danny, dem Sohn des verrückten Jack, nach den furchterregenden Ereignissen im Hotel "Overlook" weitergeht. Der hellseherische Danny wird weiterhin von bösen Geistern heimgesucht und ertränkt mit zunehmendem Alter seine grausamen Visionen in Alkohol. "Ich war neugierig, was für ein Erwachsener aus Danny geworden ist. Und ich habe dieses Buch geschrieben, um das herauszufinden", so King, der selbst Alkoholiker war. "Nein, ich bin es", korrigierte er sich. "Die Krankheit verschwindet nicht, nur weil man nicht mehr trinkt." Inzwischen sei er aber lange trocken.

Autor mit Comedy-Talent

Während die Charaktere seiner Bücher oft in Todesangst schreien und die Leser seiner Bücher sowie die Zuschauer seiner Filme vor Schreck kreischen, johlten viele Besucher seiner ersten Lesung in Deutschland vor Lachen. Sein Auftritt hatte streckenweise Standup-Comedy-Qualitäten. Der Autor reihte Anekdote an Anekdote, parodierte John Lennon und Stanley Kubrick, gab sich philosophisch und erwies sich als äußerst schlagfertig. "Ob ich mir die Abschaffung des Todes wünschen würde? Naja - dann wäre es ziemlich voll hier", sagte er zum Beispiel über seine von Literaturkritiker Denis Scheck attestierte Todes-Besessenheit.

"Keiner ist gruseliger als Disney"

"Ich habe eine ganze Generation von Menschen erschaffen, die sich vor Clowns fürchtet", sagte King - im Circus Krone - in Bezug auf sein Erfolgsbuch "Es" und fügte mit diabolischem Lächeln hinzu: "Und das ist eine gute Sache." Auf die Frage, warum er immer Horrorgeschichten schreibt, meinte er kopfschüttelnd: "Als ob ich eine Wahl hätte." Er möge Monster. So einfach sei das. Im übrigen sei eine seiner frühesten Kindheitserinnerungen "Bambi": "Man kann über Wes Craven reden oder Freddy Krueger oder welchen Horrorfilme auch immer - keiner ist gruseliger als Disney."

"Traue keinem Schriftsteller"

"Einer der Gründe, warum Schriftsteller Schriftsteller sind und keine Redner, ist, dass ein Publikum wie dieses ihnen eine Höllenangst macht. Ich bin dafür nicht gemacht - glauben Sie mir", behauptete King. Doch er sagte auch: "Traue keinem Schriftsteller. Er lügt, wenn er den Mund aufmacht." Star-Autor King wurde 1947 in Portland im US-Bundesstaat Maine geboren. Er hat nach Verlagsangaben weltweit über 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft.

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