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Steirische Kariesprävention in Kindergärten zeigt positive Wirkung

66 Prozent der Erstklässler kariesfrei - 1989 waren es 27 Prozent

55 Prozent der Erstklässler in Österreich sind laut aktuellen Daten kariesfrei. In der Steiermark sind es 66 Prozent. Damit hat zwar noch immer jeder dritte Sechsjährige Karies, die Steiermark nehme aber hinter Tirol (71 Prozent) den zweiten Platz ein, teilte die steirische Organisation Styria vitalis am Montag mit. Sie führt das Ergebnis auf ihr seit 1986 laufendes Prophylaxe-Programm zurück.

Grundsätzlich habe sich die Zahngesundheit steirischer Erstklässler in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich verbessert, hob die Styria vitalis-Geschäftsführerin, Karin Reis-Klingspiegl, gegenüber der APA hervor: Während im Jahr 1989 nur 27 Prozent der Sechsjährigen keine von Karies betroffenen Zähne hatten, waren es bei der jüngsten österreichweiten "Zahnstatuserhebung 2017" ganze 66 Prozent. In der Steiermark wurden 665 Kinder in 26 Volksschulen untersucht, österreichweit waren es 4.330 Kinder. Die Erhebung im Auftrag des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, des Fonds Gesundes Österreich und der Bundesländer wird österreichweit alle fünf Jahre durchgeführt.

Erhoben wurde österreichweit auch, wie viele Zähne im Schnitt nicht mehr "naturgesund" - also wegen Karies fehlend, kariös oder bereits saniert - sind. Im gesamten Bundesgebiet liege der aktuelle Wert bei zwei Zähnen, in der Steiermark seien es im Schnitt 1,3.

Reis-Klingspiegl führt die im Bundesländervergleich erfreulichen Daten auf ein steirisches Vorsorgeprogramm zurück, das seit mehr als 30 Jahren in mittlerweile 98 Prozent der steirischen Kindergärten und 93 Prozent der Volksschulen umgesetzt wird: Die Kinder werden zwei- bis dreimal jährlich von einer "Zahngesundheitserzieherin" besucht und üben mit ihr die richtige Putztechnik. Sie bekommen altersentsprechende Information zum Zahnaufbau, die Entstehung von Karies und seiner Vermeidung sowie zum Zahnarztbesuch. Finanziert wird das Programm von den steirischen Krankenversicherungsträgern und dem Land Steiermark.

Sorgen bereitet den steirischen Experten vor allem der Zahnstatus von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund und niedrigem Schuldbildungsniveau der Eltern. Sie haben laut Auswertung ein höheres Risiko, an Karies zu erkranken bzw. behandlungsbedürftige Zähne aufzuweisen. So seien in der Steiermark 46 Prozent der Sechsjährigen mit Migrationshintergrund kariesfrei (ohne Migrationshintergrund: 74 Prozent). Und während steirische Kinder ohne Migrationshintergrund im Schnitt 0,8 kariöse, fehlende oder sanierte Zähne haben, sind es 2,5 geschädigte Zähne bei Kindern aus Einwandererfamilien.

Zudem hätten Kinder von Eltern ohne Maturaabschluss durchschnittlich doppelt so viele unbehandelte, kariöse Milchzahnflächen wie Kinder aus Familien in denen mindestens ein Elternteil maturiert hat. Bereits seit einigen Jahren versucht man daher in Beratungsstellen für Schwangere, in Eltern-Kind-Gruppen, über Tageseltern sowie in Deutsch- und Kommunikationskursen mit diesen Zielgruppen in Kontakt zu kommen.

Die steirischen Experten warnen davor, den Wert der Milchzähne und den Schaden, den Karies bereiten kann, zu unterschätzen: Fällt ein Milchzahn zu früh aus, kann er seine Funktion als Platzhalter für den nachkommenden zweiten Zahn nicht mehr erfüllen, was wiederum zu Zahnfehlstellungen im Kiefer führen kann. Das Zusammenspiel von Zunge, Schneidezähnen und Gaumen sei auch für die Laut- und damit Sprachentwicklung von wesentlicher Bedeutung. Der teils mit Karies einhergehende Mundgeruch würde letztlich auch das Sozialleben der Kinder beeinträchtigen.

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