Steinigungen im Iran immer noch Praxis:
Opfer laut ai weiterhin überwiegend Frauen

Todesstrafe trotz Einstellung 2002 weiter in Ausübung Auch im Prozess massive Diskriminierung von Frauen

Steinigungen im Iran immer noch Praxis:
Opfer laut ai weiterhin überwiegend Frauen © Bild: EPA

"Steinigungen sind besonders grausam", sagte die ai-Expertin für den Nahen Osten, Ruth Jüttner. Der Tod solle absichtlich langsam und qualvoll eintreten. Dazu verweist die Organisation auf das iranische Strafgesetzbuch, demzufolge die Steine bei der Hinrichtung nicht so groß sein dürfen, dass der Mensch bereits getötet wird, wenn ihn ein oder zwei treffen.

Bei der Steinigung werden Männer bis zur Hüfte und Frauen bis unter die Brust eingegraben. Dann werde unter den Augen von Richter, Zeugen und Schaulustigen die Steinigung vollstreckt. Opfer von Steinigungen sind nach ai-Angaben mehrheitlich Frauen. "Das liegt daran, dass Frauen in vieler Hinsicht diskriminiert sind", erklärte Jüttner. Denn diese Form der Hinrichtung stehe im Iran auf eine Tat, die in den meisten Ländern der Erde nicht einmal strafbar ist: Ehebruch. Als Beweismittel können bereits die "Erkenntnisse" des Richters ausreichen. Eine Frau benötige hingegen mindestens zwei Männer, die ihre Zeugenaussage bestätigen, damit diese vor Gericht Gültigkeit habe. Dies erschwere ihnen auch Scheidungsverfahren. Zudem fehle vielen Frauen schlicht das Geld für einen Anwalt und so gingen Steinigungen oft ungerechte Gerichtsverhandlungen voraus, heißt es in dem Bericht.

ai fordert Initiativen aus Teheran
Die Menschenrechtsorganisation forderte die Regierung in Teheran auf, alle noch anstehenden Steinigung auszusetzen und diese Art der Todesstrafe abzuschaffen. Auch die Bestrafung von "einvernehmlichen außerehelichen sexuellen Beziehungen" müsse aus dem Gesetz gestrichen werden. Zudem solle der Iran, der den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet hat, auf die Abschaffung der Todesstreife hinarbeiten. (apa/red)