Tanzen statt Talken von

Dancing Star Stefan Petzner:
"Ich bin der Aufregerkandidat"

Warum der Ex-Politiker trotzdem das Risiko eingeht und wovor er sich fürchtet

STefan Petzner © Bild: ORF/Zach-Kiesling

Stefan Petzner ist ein gefragter Mann. Zwei Tage und mehrere Anläufe hat es gebraucht, den „Aufregerkandidaten“ der ab heute wieder über das Parkett schwebenden "Dancing Stars" ans Telefon zu bekommen. Ein Gespräch über seine „megafrustrierende“ verpatzte Probe, den Menschen Stefan Petzner und sein Image.

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Herr Petzner, Sie wirken sehr gestresst…
Ich bin auf die Minute genau getaktet. Ich habe sehr viele Medientermine, weil ich – was mich natürlich besonders freut – für die Medien besonders spannend bin. Der Aufregerkandidat. Es gibt in jeder Sendung einen, der ein bisschen polarisiert und mit dem man Tanzen nicht unbedingt verbindet. Und das bin in diesem Fall ich.

» Ich stand mit schlotternden Knien da und hatte eine Art Blackout «

Sind Sie nervös vor dem heutigen Start? (Anm.: Das Interview wurde am Mittwoch geführt.)
Wir hatten gestern eine erste Live-Probe und das war nicht gut. Ich bin Medien gewohnt, aber das ist etwas ganz anderes als in einer Polit-Talkshow zu sitzen. Ich stand mit schlotternden Knien da und hatte eine Art Blackout und von einer Sekunde auf die andere alle Schritte vergessen. Das ist genau meine Angst - und das schwierige beim Tanzen, denn mit Druck und der Brechstange geht da gar nichts. Es ist auch viel Psychologie dabei. In einer Diskussion kannst du mit Worten und Argumenten Druck erzeugen aber das ist beim Tanzen genau das Verkehrte. Je mehr Druck du dir machst, desto verkrampfter und steifer bist du. Das ist für mich etwas völlig Neues: Nicht die Kameras und nicht das Publikum, sondern los zu lassen in diesen Momenten und mich der Musik hinzugeben.

Haben Sie schon immer gerne getanzt?
Nein, ich starte völlig bei Null. „Dancing Stars“ ist ein Risiko, das ist mir bewusst. Man muss im Leben aber wagen, denn es ist ja so kurz. Man muss immer wieder Neues ausprobieren, auch mit dem Risiko zu scheitern. Scheitern ist keine Schande, es gehört dazu. Man darf hinfallen, man muss dann nur wieder aufstehen. Jetzt hab ich die Probe verkackt aber hoffentlich klappt es am Freitag. Ich werde alles geben und wenn es nicht klappt, dann ist es eben so.

»Ich stand da mit schlotternden Knien wie ein kleiner Schulbub am ersten Schultag beim Direktor «

Wie läuft es mit Ihrer Tanzpartnerin Roswitha Wieland? Sie soll ja eher streng sein…
Das ist alles wunderbar. Sie ist wahnsinnig bemüht. Aber es hilft nichts, das ist wie beim Skifahren: Wenn man beim Training Bestzeit fährt und beim Rennen einfädelt, dann ist es vorbei. Und das ist die Kunst - und hat gestern eben nicht funktioniert, was, ehrlich gesagt, megafrustrierend war. Dass ich als Polit-Profi dort kämpfe wie ein kleiner Bub am ersten Schultag, das war kein sehr schönes Erlebnis. Aber ich hoffe, dass ich es noch hinbekomme.

Dancing Star Stefan Petzner
© ORF/Zach-Kiesling Stefan Petzner mit seiner Tanzpartnerin Roswitha Wieland

Denken sie, dass Sie das Zeug zum Publikumsliebling haben?
Ich bin wie ich bin. Ich habe auch gesagt, ich mache da nicht als Ex-Politiker mit. Es geht bei „Dancing Stars“ nicht um Politik, das ist mir sehr wichtig zu betonen. Jeder soll wählen, was er will. Jeder soll glauben, was er will. Jeder soll seine politische Meinung haben. Aber bei „Dancing Stars“ geht es nicht um links oder rechts, um oben oder unten, sondern es geht darum, den linken Fuß richtig neben den rechten zu setzen. Das ist auch mein Appell, sich auf den Menschen Stefan Petzner einzulassen und die Politik einmal, wenigstens für einen Abend, beiseite zu lassen. Machen wir uns gemeinsam eine schöne Zeit. Wenn ich es verhaue, sage ich jetzt schon „Sorry“ und wenn nicht, freue ich mich.

Fällt Ihr Name, denkt man in Österreich –i mmer noch – sofort an Jörg Haider und Ihre Trauer damals um ihn…
Ja, natürlich verbinden die Menschen mit Stefan Petzner gewisse Bilder und dazu gehört auch dieser weinende Lebensmensch. Und ich stehe auch zu all den Dingen im Sinne dessen, dass ich die Verantwortung übernehme. Auch für meine politischen Tätigkeiten. Aber man muss auch jedem Menschen zugestehen, dass er sich weiterentwickelt. Als ich zu Jörg Haider gekommen bin, war ich ein Bub mit 21 Jahren. Wer ist mit 21 Jahren fertig gebaut fürs Leben? Zeigen Sie mir den. Ich war es nicht. Das soll jetzt keine Entschuldigung oder Rechtfertigung sein, aber es soll zeigen, dass sich der Stefan Petzner mit seinen knapp 35 Jahren inzwischen auch weiter entwickelt hat und ein anderer ist, als er mit 21 war.

»Das ist natürlich auch ein Motiv, bei „Dancing Stars“ mitzumachen, diese Klischees und Vorurteile vielleicht abzubauen. «

Wie belastend ist das, dass die Menschen das noch immer so in ihren Köpfen haben?
Wenn man sich auf die politische Bühne begibt und sich auf das Geschäft einlässt, gehört das dazu. Wenn man das nicht aushält, darf man es nicht machen. Ich bin bei „Dancing Stars“ sicher der, der als Außenseiter ins Rennen geht wegen meiner politischen Vergangenheit und weil viele auch noch gewisse Klischees oder Vorurteile haben. Das ist natürlich auch ein Motiv, bei „Dancing Stars“ mitzumachen, diese Klischees und Vorurteile vielleicht abzubauen.

Dancing Star Stefan Petzner
© ORF/Zach-Kiesling Bei den Proben

Wie ist das Verhältnis zu den übrigen „Dancing Stars“-Teilnehmern? Trifft man sich mal auf ein Bier oder ist das Konkurrenz?
Wir tanzen nicht gegenseitig sondern als Team und unser Ziel ist es, den Leuten eine schöne Zeit zu machen und gemeinsam eine gute Show abzuliefern. Der Rest kommt, wie es kommt. Möge der oder die beste gewinnen.

Und wer wird das sein? Ihr Tipp?
Ich gebe keine Tipps ab. Ich mache keine Wetten, weder legale noch illegale.

"Dancing Stars" startet heute, Freitag, um 20.15 Uhr auf ORF eins.

Mehr zu den Dancing Stars und was die Kandidaten wirklich antreibt, lesen Sie im aktuellen News Nr. 11/19