Stecken Islamisten hinter London-Bomben? Suche nach Attentätern läuft auf Hochtouren

Ärger über Ehrung von Salman Rushdie als Motiv? Anschlag angekündigt - Zündung zwei Mal missglückt

Stecken Islamisten hinter London-Bomben? Suche nach Attentätern läuft auf Hochtouren

Terroralarm in London: Einen Tag, nachdem im Zentrum der britischen Hauptstadt zwei Autobomben entschärft wurden, läuft die Fahndung nach den Attentätern auf Hochtouren. In London wurden Polizeistreifen verstärkt - auch deshalb, weil zehntausende Menschen am jährlichen Umzug der Homosexuellen in der Metropole teilnahmen. Der neue britische Premierminister Gordon Brown berief einen Krisenausschuss ein.

Vor den Beratungen, dem Regierungsmitglieder und die Chefs der Geheimdienste angehören, rief Brown die Menschen zur Wachsamkeit auf. "Wir stehen einer ernsten und anhaltenden Sicherheitsbedrohung in unserem Land gegenüber", sagte er.

Anschlag im Internet angekündigt
Nach Medienangaben hatten islamistische Kreise nur Stunden vor der Entdeckung einer ersten Autobomben im Internet einen Anschlag in London angekündigt. Dabei sei auf das Terrornetzwerk Al Kaida als Auftraggeber verwiesen worden.

Zudem sei als ein Motiv die Empörung unter Muslimen über die kürzliche Bekanntgabe der Erhebung des islam-kritischen Autors Salman Rushdie in den Ritterstand hingewiesen worden, hieß es in der "Times".

Zündung zwei Mal missglückt
Unterdessen berichtete der US-Fernsehsender ABC, Attentäter hätten vergeblich versucht, die beiden Autobomben aus Benzin, Nägeln und Gaskanistern durch Mobiltelefonzünder zur Explosion zu bringen. In den abgestellten Autos zurückgelassene Handys seien zwei Mal angerufen worden.

Auch der Fernsehsender Sky News berichtet von einer geplanten Fernzündung durch Mobiltelefone. Nach Angaben der BBC haben Ermittler aus Aufzeichnungen von Beobachtungskameras Bilder mutmaßlicher Täter herausgefiltert.

Bürgermeister warnt vor "Verteufelung" der Muslime
Londons Bürgermeister Ken Livingstone warnte vor einer "Verteufelung" der in Großbritannien lebenden Muslime. Nur eine "winzige Minderheit" von ihnen neige dem Terrorismus zu, während die große Mehrheit überdurchschnittlich gesetzestreu sei.

Die Straßen Londons seien nach der Entdeckung der Autobomben wieder "völlig sicher", sagte er. Großveranstaltungen wie eine Parade von Schwulen und Lesben sowie ein Konzert zum Gedenken an die Prinzessin Diana mit zehntausenden Teilnehmern werden wie geplant stattfinden. Zudem wird derzeit das Tennisturnier in Wimbledon ausgetragen.

Verbindung zur Al Kaida vermutet
Eine Mischung aus Glück und schnelles Handeln hatte die britische Hauptstadt vor möglicherweise verheerenden Bombenanschlägen bewahrt. Die Polizei hatte nach einem Hinweis von Rettungssanitätern zunächst einen Sprengsatz in einem Auto entdeckt, später einen zweiten, ebenfalls in einem Auto.

Die improvisierten Sprengsätze in den beiden Wagen deuteten nach Ansicht von Experten darauf hin, dass eine in Großbritannien ansässige Gruppe verantwortlich war, die möglicherweise Verbindungen zu Al-Kaida-Vertretern in Pakistan hat. Die Bomben ähnelten denen, die bei den Anschlägen auf den Londoner Nahverkehr vor fast genau zwei Jahren verwendet wurden, als 52 Menschen getötet wurden.

Explosionen hätten verheerende Wirkung gehabt
Die Polizei hatte die Sprengsätze in zwei Autos entschärft, die im Herzen der Millionenmetropole nahe des Piccadilly Circus geparkt waren. Der zweite Wagen wurde dabei aber wegen Falschparkens abgeschleppt.

Der britische Anti-Terror-Chef Peter Clarke teilte am Abend mit, wie im ersten Fall seien in dem Fahrzeug eine beträchtliche Menge Benzin, Gasbehälter und Nägel gefunden worden. Und genau wie die erste Autobombe hätte der Sprengsatz eine verheerende Wirkung entfalten können, sagte Clarke. "Diese Fahrzeuge sind eindeutig miteinander verknüpft.". Wegen verdächtiger weiterer Fahrzeuge waren auch die Fleet Street und Park Lane vorübergehend gesperrt.

(apa/red)