Stationen der Talfahrt: Beziehung der USA zu Russland vom Höhepunkt zum Tiefpunkt

Verhältnis so schlecht wie seit langem nicht mehr

Vor fünf Jahren legten US-Präsident George W. Bush und Russlands Präsident Wladimir Putin bei ihrem ersten Treffen den Grundstein für einen Neubeginn der Beziehungen zwischen den beiden Supermächten. Vor dem Treffen beider Präsidenten in Kennebunkport (Maine) wurde das Verhältnis zwischen beiden Ländern als so schlecht wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr beschrieben. Stationen der Talfahrt:

16. Juni 2001: Das erste Treffen auf Schloss Brdo bei Kranj in Slowenien. Bush nennt Putin einen "sehr direkten und vertrauenswürdigen Mann". "Ich vertraue ihm", sagt Bush. Der Kreml-Chef antwortete: "Der Gipfel hat meine Erwartungen übertroffen."

25. Mai 2002: "Er ist ein Freund", sagt Bush über Putin beim Besuch in St. Petersburg. "Es gibt keine besseren internationalen Beziehungen als die persönlichen", sagt der US-Präsident vor Studenten. In Erinnerung an seine eigene Studienzeit sagt Bush: "1968 waren Amerika und die Sowjetunion erbitterte Feinde. Heute sind Amerika und Russland Freunde."

1. Juni 2003: Der Beginn des Irak-Kriegs im März wirft erste Schatten auf das Verhältnis. Beide Präsidenten räumen in St. Petersburg jedoch den Streit aus. Trotz aller Differenzen würden er und Bush es schaffen, die persönlichen Beziehungen zu erhalten und sogar zu stärken, sagt Putin. Bush antwortet: "Dieser Erfolg macht unsere Beziehung stärker, nicht schwächer."

24. Februar 2005: Bush nimmt Putin in der slowakischen Hauptstadt Pressburg in Sachen Demokratie ins Gebet und spricht von Defiziten. Der recht kühle Auftritt von Putin lässt kaum Zweifel an dessen Unmut. Manche westliche Kritik müsse man sich anhören, antwortet der Kreml-Chef. "Einige Vorstellungen werde ich nicht einmal kommentieren."

15. Juli 2006: Vor dem G-8-Treffen in St. Petersburg gehen Bush und Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz bei der Einschätzung von politischen Brennpunkten wie Nahost demonstrativ auf Distanz und senden ein Signal der Zerstrittenheit aus. Putin reagiert verärgert, weil die USA nach zehnjährigen Verhandlungen Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO blockierten. Putin macht sich öffentlich über Bushs Demokratiebemühungen im Irak lustig. "Wir wollen keine Demokratie wie im Irak", sagt Putin.

7. Juni 2007: Im Vorfeld des G-8-Gipfels in Heiligendamm kritisiert Putin die geplante US-Raketenabwehr für Mitteleuropa. Bush nahm im Gegenzug den Stand der demokratischen Reformen in Russland ins Visier. Während des Gipfels einigten sich beide Präsidenten auf ein informelles Gespräch in Kennebunkport (Maine). "Viele Menschen mögen es nicht, wenn Russland und die Vereinigten Staaten im Streit liegen", sagt Bush.

(apa)