Startschuss in neues Fußball-Zeitalter: Nagelprobe für Torrichter in Europa League

In Gruppenphase zwei zusätzliche Unparteiische UEFA-Boss Michel Platini begrüßt das Experiment

Startschuss in neues Fußball-Zeitalter: Nagelprobe für Torrichter in Europa League © Bild: Reuters

Mit dem Beginn der Europa-League fällt gleichzeitig der Startschuss für ein revolutionäres Projekt im internationalen Fußball. In sämtlichen Partien der Gruppenphase kommen zusätzlich zum Schiedsrichter, den beiden Assistenten und dem vierten Offiziellen zwei Torrichter zum Einsatz, die dem Referee nicht nur bei der Frage Tor oder nicht Tor, sondern bei sämtlichen strittigen Szenen im Strafraum und Umgebung assistieren sollen.

"Der Schiedsrichter wird über alle Vorgänge aller Art informiert, die er eventuell nicht gesehen hat", heißt es in der von der UEFA veröffentlichten Aufgabenbeschreibung der sogenannten "Additional Assistant Referees" (AAR). Die Torrichter werden auf der gegenüberliegenden Seite des Schiedsrichter-Assistenten an der Schnittstelle zwischen Fünfer- und Toroutlinie platziert sein und in Funkverbindung mit dem Referee stehen.

Die insgesamt sechs Personen umfassende Schiedsrichter-Mannschaft muss aus einem Land kommen. In die Rolle des Torrichters schlüpfen Spitzen-Referees, im Falle der beiden von Thomas Einwaller und Robert Schörgenhofer angeführten österreichischen Teams sind dies die FIFA-Unparteiischen Bernhard Brugger und Stefan Meßner sowie die Bundesliga-Schiedsrichter Thomas Gangl und Dietmar Drabek. Sollte sich der Chef-Referee während der Partie verletzen, wird kein Torrichter, sondern wie bisher der vierte Offizielle einspringen.

Das Experiment wirft einige Fragen auf, so zum Beispiel, ob die nicht mit Fahne ausgestatteten Torrichter die an den Seitenlinien postierten Schiedsrichter-Assistenten überstimmen dürfen. "Generell bleiben sie hinter der Torlinie, aber sie können auch den Strafraum betreten, wenn sich das Spiel auf die andere Seite verlagert, um das Geschehen besser im Blick zu haben", teilte die UEFA weiter mit.

UEFA-Präsident Michel Platini, dessen Kontinentalverband sich zur Durchführung (und Finanzierung) des von der FIFA gewünschten Testlaufs bereiterklärte, sieht dem Projekt positiv entgegen. "Zwei weitere Schiedsrichter im Bereich der beiden Tore, die ihre Wahrnehmungen per Headset an den Hauptschiedsrichter weitergeben, sind für mich der einzig machbare Weg", sprach sich Platini, der von erfolgreichen Tests in Jugendspielen berichtete, für eine menschliche Lösung aus.

Für Platini ist die Anwendung des Videobeweises eine Horror-Vorstellung. "Das wäre ein Desaster, denn der Videobeweis mit Unterbrechungen im Zweiminutentakt würde zu einem ganz anderen Spiel führen und wäre der Tod des Fußballs", sagte der Franzose, der eine Revolution auf den Fußball zukommen sieht. "Das könnte die einschneidendste Veränderung bei der Leitung eines Spiels seit über 100 Jahren sein."

Platini erwartet sich durch die Aufstockung des Schiedsrichter-Teams vor allem ein Ende des Simulantentums. "Jahrelang haben sich Spieler fallengelassen, weil die Schiedsrichter nicht alles sehen konnten oder weil sie einfach nicht gut genug waren. Aber eines Tages werden die Spieler aufhören, Schwalben zu produzieren, weil sie die Referees sehen", behauptete der UEFA-Boss.

(apa/red)