Start von "Sakrileg" von riesigem Wirbel begleitet: Katholische Kirche außer sich

Rund um die Welt wilde Proteste von Gläubigen Boykottaufrufe in Polen, Filmverbot auf Philippinen

Kein Ende des Protests gegen "Sakrileg": Zum weltweiten Start der Dan-Brown-Verfilmung "Sakrileg" ("The Da Vinci Code") haben Kirchenorganisationen gegen den Streifen protestiert. In Polen riefen katholische Bischöfe die Gläubigen zum Boykott auf. In den Niederlanden richtete die katholische Bischofskonferenz eine Website ein, die auf "die wirklichen Fakten um Jesus Christus und das Christentum" hinweist. Katholische Geistliche in Großbritannien hielten Proteste gegen "Sakrileg" allerdings für sinnlos, da sie nur der Vermarktung des Films dienten. Kinos in der philippinischen Hauptstadt Manila mussten auf Weisung der Stadtverwaltung "Sakrileg" aus dem Programm nehmen.

"Schaut euch diesen Film nicht an", appellierte der Krakauer Erzbischof Stanislaw Dziwisz in einem Brief. Der Film manipuliere und fälsche historische Tatsachen. Bischof Stanislaw Wielgus, Vorsitzender des wissenschaftlichen Rates der Bischofskonferenz, nannte Roman und Film "ethisch nicht akzeptabel". Mit irrationalen Theorien auf der Grundlage religiöser Ignoranz zeuge er von "beunruhigenden Tendenzen" der Gegenwart.

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik, sah bei aller Kritik an der Idee, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und habe mit ihr eine Familie gegründet, auch Gutes. Wenn Leser und Kinobesucher durch den Film angeregt würden, sich mit der Kirchengeschichte zu befassen und ihr religiöses Wissen zu vertiefen, "werden sie ihren Glauben stärken", sagte Michalik im polnischen Rundfunk.

Unter www.davincicodefan.nl schreibt die Katholische Bischofskonferenz der Niederlande, dass Buch und Film "voll mit Unsinn über das Leben von Jesus" seien. In den ersten 24 Stunden nach dem Start des Films in den Niederlanden zählte die Seite nach Angaben der kirchlichen Pressestelle in Utrecht rund 22.000 Besucher.

Britische Geistliche der "Da Vinci Code Response Group" dagegen warnten, Proteste erweckten nur den Eindruck, als sei die katholische Kirche in der Defensive und stecke hinter einer jahrhundertelangen Vertuschung, um die es ja in dem Film gehe. Der Sprecher des britischen Kardinals Erzbischof Cormac Murphy O'Connor kritisierte die "unehrliche Werbung" für den Film, die den Eindruck erwecke, als basierten Buch und Film auf Tatsachen. Der Vorspann des Films sollte darauf hinweisen, dass es sich um reine Fiktion handelt.

Der Stadtrat in Manila beurteilte den Streifen mit Tom Hanks in der Hauptrolle als "Angriff auf die Glaubensgrundlagen der römisch- katholischen Kirche". In Manila riskieren Kinobetreiber nun ein Jahr Gefängnis und eine Geldstrafe von umgerechnet 75 Euro, sollte sie den Film trotz Verbots zeigen. Auch die Führung der mazedonischen Orthodoxen Kirche rief die Gläubigen zum Boykott auf. Das Werk sei eine "Beleidigung Jesu Christi und der heiligen Mutter Gottes", schrieb die Bischofskonferenz in Skopje. Roman und Film seien "antichristlich" und würden "biblische Unwahrheiten" verbreiten. Die christlich-orthodoxe Kirche in Bulgarien rief die Behörden auf, den Streifen wegen Gotteslästerung zu verbieten.

Proteste und Boykottaufrufe hatte es zuvor bereits in Griechenland, Indien, Singapur und China gegeben. Auf den zu Dänemark gehörenden Färöer Inseln wird der Film gar nicht gezeigt, in Thailand nur zensiert. Die rund 100 Millionen Dollar teure Verfilmung des Bestsellers von Dan Brown basiert unter anderem auf der Idee, dass Jesus Christus ein Kind mit Maria Magdalena hatte, dessen Nachfahren heute noch leben. Bei der Weltpremiere zur Eröffnung der Filmfestspiele von Cannes am Mittwoch war der Film bei Kritikern nicht auf Begeisterung gestoßen.

(apa/red)