Fakten von

Starker Anstieg bei Cyberkriminalität

Polizei will internationale Zusammenarbeit weiter intensivierten

Terrorismus, Cyberkriminalität, Schlepperunwesen oder Organisierte Kriminalität vom Ladendiebstahl bis zum Menschenhandel: Bei der 45. europäischen Regionalkonferenz der internationalen Polizeiorganisation Interpol beraten ab heute in St. Johann im Pongau rund 170 Delegierte aus 50 Ländern drei Tage lang über aktuelle Sicherheitslagen und neue Strategien im Kampf gegen das Verbrechen.

"Wir haben es mit einer globalen Sicherheitslage zu tun, wie wir sie - was Internationalität und Komplexität anbelangt - bisher nicht erlebt haben", sagte Jürgen Stock, Generalsekretär von Interpol, zum Auftakt der Konferenz am Dienstag. Mit lokalen Antworten ließen sich die aktuellen Herausforderungen nicht mehr bewältigen. "Wir brauchen mehr denn je grenzüberschreitende Zusammenarbeit." Und in kaum einem anderen Bereich wird das so deutlich, wie in der Cyberkriminalität, die zuletzt stark anstieg.

"Der jährliche Zuwachs beträgt hier im Schnitt 30 Prozent", sagte Konrad Kogler, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit im österreichischen Innenministerium. "Von jedem Punkt auf der Welt aus ist heute per Mausklick eine Attacke an jedem anderen Ort der Welt möglich." Zunehmend würden dabei nicht nur Unternehmen, sondern auch Infrastruktur und der öffentliche Sektor zu Zielen von Angriffen.

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar, eher im Gegenteil: "Die Bedrohungslage wird sich verstärken", sagte auch Interpol-Generalsekretär Stock. "Beim 'Internet of Everything' ist alles mit dem Internet verbunden. Das bietet ungeahnte Möglichkeiten für Kriminelle. Das kann kein Staat mehr alleine, das können auch Länder bilateral nicht mehr bekämpfen." Cyberkriminalität könne nur mit globalen Bemühungen bewältigt werden. Es gelte darum, Techniken und Werkzeuge zu entwickeln, die helfen, Beweismittel in der digitalen Welt zu sichern und diese in justizielle Verfahren überzuführen.

"Und wir müssen schneller werden. Es geht bei der Cyberkriminalität um Minuten", sagte Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts. Geld werde heute schnell über mehrere Konten bewegt, um Spuren zu verwischen. "Es wird immer wichtiger, zeitnahe eine rasche Reaktion zu ermöglichen." Im Kampf gegen die zunehmende Internationalisierung von Kriminalität sei dabei der Zugriff auf Daten von zentraler Bedeutung. "In Österreich ist jeder der 32.000 Polizisten zugleich ein Interpol-Polizist", sagte Lang. "Wann immer ein Polizist hierzulande eine Kontrolle macht, ist er weltweit mit Datenbanken verbunden." Auskunft gebe es meist binnen einer Minute, im längsten Fall binnen drei Minuten. "Das ist auch wichtiges Wissen zur Einschätzung des Gegenübers."

Auch Kogler hält es für notwendig, den Austausch an Informationen noch weiter voranzutreiben. "Wir brauchen schnelle und rasche Antworten - und wir müssen diese von jedem einzelnen Polizisten auch einfordern können. Es braucht schnellen und unmittelbaren Zugriff auf diese Informationen."

Man stehe mitten in einer Zeitenwende, betonte Kogler. "Wir wissen angesichts der Digitalisierung heute nicht, wie schnell und in welche Richtung sich unsere Umwelt bewegen wird." Die Polizei stehe manchmal vor der Frage, ob man nicht von der enormen Dynamik und Geschwindigkeit überrollt werde. "Aber ein Blick in die Geschichte macht sicher. Jede Generation hat seine Herausforderungen zu bewältigen gehabt."

Kommentare