Stark umstrittene These vom 'Kampf der Kulturen': Huntington verteidigt Standpunkt

Mehr Konflikte im 21. Jahrhundert zwischen Kulturen Zwischen Muslimen und dem Westen mehr Kämpfe

Der US-amerikanische Politologe Samuel Huntington hält an seiner umstrittenen These vom "Kampf der Kulturen" fest. "Ich bleibe dabei, dass kulturelle Identitäten, Gegensätze und Zugehörigkeiten für die zwischenstaatlichen Beziehungen nicht nur eine Rolle, sondern eine bedeutende Rolle spielen werden", sagte er laut Kathpress in einem Interview der deutschen Tageszeitung "Die Welt". "So wie ich es sehe, werden die Beziehungen zwischen Ländern im kommenden Jahrzehnt höchstwahrscheinlich eher kulturelle Verpflichtungen, Bindungen und Gegensätze als andere Umstände widerspiegeln."

In seinem 1996 veröffentlichten Buch "Kampf der Kulturen" vertritt der Harvard-Professor und Berater des US-Außenministeriums die These, dass die weltpolitischen Auseinandersetzungen im 21. Jahrhundert zunehmend Konflikte zwischen verschiedenen Kulturen sein werden. Besonders Konflikte zwischen Muslimen und Nichtmuslimen würden weltweit häufiger und gewalttätiger.

Auf die Frage, ob es Zeichen für eine Annäherung gebe, verwies Huntington in dem Interview auf die Zusammenarbeit zwischen westlichen und muslimischen Ländern. "Die globale Politik bleibt extrem komplex", so der Wissenschaftler. Die Länder hätten unterschiedliche Interessen, die "zu bizarr anmutenden Koalitionen" führen könnten. So hätten auch die USA mit verschiedenen Militärdiktaturen zusammengearbeitet "und tun es noch".

Huntington betonte weiter, in den islamischen Ländern sei ein "verhältnismäßig langsames Tempo der Demokratisierung" auffällig, besonders in arabischen Staaten. Allerdings seien in der muslimischen Welt Anfänge eines bedeutsamen sozialen und wirtschaftlichen Wandels zu beobachten, der "zu gegebener Zeit auch zu politischen Veränderungen führen wird".

(apa/red)