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Die schwere Last des Ruhms

Stanley Tucci im Interview: "Auf diese Aufmerksamkeit war ich nicht vorbereitet"

Stanley Tucci © Bild: APA/EPA/Claudio Onorati

Stanley Tucci und die Schattenseiten der Startums. News.at bat den Schauspieler anlässlich der Filmfestspiele von Venedig zum Interview und sprach mit ihm über seinen Beruf – und seinen neuen Film "Spotlight".

Er gilt als einer jener Hollywoodstars, die die Idealbesetzung für hochwertige Nebenrollen sind. Als ein Künstler, der nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen muss, sich lieber auf seine Figuren, seine darstellerische Kraft verlässt und den Red Carpet wenn möglich meidet. Doch seit 2012 kennt Stanley Tucci ("Der Teufel trägt Prada") auch die Schattenseiten seines Berufes. Da nämlich spielte er erstmals im Hollywood Blockbuster "Die Tribute von Panem" den bizarren Zeremonienmeister Ceasar Flickerman – und wurde über Nacht einem immens breiten und vor allem sehr jungen Publikum bekannt.

Der Umgang mit dem Ruhm

"Plötzlich wollen unzählige Teenager Fotos von mir haben. Sie laufen mir auf der Straße nach, um ein Selfie zu machen. Das ist schon sehr schräg. Ich habe jetzt Teenager-Groupies – das hätte ich mir auch nie gedacht. Diese öffentliche Aufmerksamkeit ist etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe, auf das man sich auch nicht vorbereiten kann", verrät der 55-Jährige News.at beim Interview während des Filmfestivals Venedigs.

»Plötzlich wollen unzählige Teeies Fotos von mir haben.«

Tucci ist an den Lido di Venezia gekommen, um hier beim ältesten Filmfestival der Welt gemeinsam mit Co-Star Marc Ruffalo seinen neuen Film "Spotlight" zu präsentieren. In dem auf einer wahren Geschichte basierenden, höchst sehenswerten Drama (der Kinostart in Österreich ist noch unbekannt) geht es um ein Team von Journalisten des "Boston Globe", das 2002 einen Missbrauchsskandal durch Priester in der katholischen Kirche Massachusetts aufdeckte und dafür den Pulitzer Preis erhielt. Tucci verkörpert in dem am Lido als Oscar-Favorit gehandeltem Film den Anwalt der Opfer, allesamt Kinder und Jugendliche. "Es ist mir sehr wichtig, solche Filme zu machen. Kleinere Produktionen, die ganz anders sind als ein großer Hollywoodfilm. Die eine Botschaft haben und etwas aufzeigen".

»Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, plötzlich überall erkannt zu werden.«

Wie geht der als introvertiert bekannte Schauspieler mit der charakteristischen Glatze damit um, plötzlich nicht mehr mit seiner Familie unerkannt einkaufen gehen zu können? "Es komm auf meine Tagesverfassung an. Manchmal habe ich nichts dagegen, wenn die Leute mich nett fragen. Aber es gibt auch welche, die keinen Respekt haben. Die halten mir dann ihr Smartphone vor die Nase und fotografieren mich ungefragt – auch, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin. Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, plötzlich überall erkannt zu werden. Ich gehe gerne in Kaffeehäuser, um zu arbeiten. Das ist heute kaum noch möglich, weil ich sehr schnell erkannt werde," klagt Tucci, der erst vor wenigen Monaten zum vierten mal Vater geworden ist.

Tuccis Traumrolle

Gibt es noch einen anderen Aspekt, den er an seinem Beruf nicht so schätzt? Über die Antwort muss er nicht lange nachdenken: "Oh ja, das ewig lange Warten während eines Drehs. Du sitzt da in deinem Trailer und wartest stundenlang, dass du endlich drankommst. Das macht mich wahnsinnig. Aber ich habe eine gute Ablenkung: Ich schaue mir Kochsendungen im Fernsehen an. Das kann ich stundenlang machen." Eine Ablenkung, die sich bereits bezahlt gemacht hat: Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Felicity (Schwester seiner "Der Teufel trägt Prada"-Kollegin Emily Blunt) hat Stanley Tucci vor kurzem ein eigenes Kochbuch herausgebracht. Ein Koch ist freilich nicht, wie naheliegend, Stanley Tuccis Traumrolle, sondern jemand ganz anderes: Hercule Poirot, der bekannteste Detektiv der Literaturgeschichte.

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