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"Österreich droht der Absturz"

Zwei der bedeutendsten Manager des Landes warnen: Steuern gefährden Wohlstand

Der Voestalpine-Standort in Linz © Bild: APA/BARBARA GINDL

NEWS bat zwei profunde Wirtschaftslenker zur Analyse: Was faul ist im Staate Österreich, sagen Nationalbank-Präsident Claus Raidl und der Generaldirektor der größten Regionalbank, der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Heinrich Schaller.

Raiffeisenlandesbank OÖ-Generaldirektor Heinrich Schaller
© APA/HERBERT PFARRHOFER Heinrich Schaller

NEWS: Mit der Budgetrede von Finanzminister Michael Spindelegger wurde offenbar: Die Staatsverschuldung hat mit gut 80 Prozent einen Rekordwert erreicht. Die Steuerquote erreicht mit 45,4 Prozent einen kritischen Wert. Hat das die Hypo Alpe Adria verursacht?
Heinrich Schaller: Die Hypo Alpe Adria hat einen wesentlichen Beitrag zur Staatsverschuldung geleistet. Nur vergisst man dabei, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil durch den Abverkauf wieder herein kommt. Es muss also auch andere Gründe geben.
Claus Raidl: Ein Teil ist der Hypo Alpe Adria zuzuschreiben. Aber wir haben die höchsten Steuereinnahmen die wir je hatten, eine der höchsten Abgabenquoten und trotzdem ein Budgetdefizit. Das zeigt, dass wir strukturelle Ausgaben haben, die wir nicht in den Griff bekommen.

OeNB-Praesident Claus Raidl
© APA/HELMUT FOHRINGER Claus Raidl

NEWS: Welche meinen Sie?
Raidl: Im Sozialbereich gibt es Doppel- bis Dreifachgleisigkeiten. Im Spitalswesen, besonders im Finanzfluss zwischen Bund und Ländern, kann man viel einsparen. Bei den Sozialversicherungen muss man sich fragen, ob die Idee der Selbstverwaltung der Versicherten nicht zur Selbsterhaltung der Funktionäre verfälscht wurde.

NEWS: Im Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder des Schweizer IMD rutschte Österreich in sechs Jahren von Rang elf auf Platz 23 ab. Die Bertelsmann Stiftung nennt die Entscheidungsschwäche unserer Politik als Hauptursache für die Reformunfähigkeit. Hat der Wirtschaftskammerpräsident recht, wenn er vom "abgesandelten“ Österreich spricht?
Schaller: Abgesandelt sind wir noch nicht. Aber man muss solche Auswertungen ernst nehmen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Diese Bemühungen sehe ich derzeit nicht.
Raidl: Die Situation ist noch nicht gravierend. Aber es gibt eine schleichende, laufende Verschlechterung. Früher oder später schlägt diese in einen Absturz um. Die Politik sieht dies offenbar nicht. Wir verlieren in Schlüsselbereichen und da droht uns der Absturz. Wir brauchen einen attraktiven Wirtschaftsstandort, um Wertschöpfung und Produktion ins Land zu holen. Das schafft Jobs, damit bekämpft man Arbeitslosigkeit.

NEWS: Wirtschaftliche Realität ist, dass zahlreiche österreichische Unternehmen im Ausland, investieren und dort Jobs schaffen wie die Voestalpine in Texas. Sind unsere Rahmenbedingungen industriefeindlich?
Raidl: Wenn ein Arbeitnehmer, der 4.000 bis 4.500 Euro im Monat verdient, rund 60 Prozent an Steuern und Sozialabgaben bezahlt, haben wir eine Grenze überschritten.
Schaller: Sie sind für die Industrie deutlich schlechter als offensichtlich anderswo. Das muss uns zu denken geben. Wir alle profitieren vom guten Industriestandort Österreich. Dadurch wurde breiter Wohlstand geschaffen. Wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, schadet dies der ganzen Volkswirtschaft.

NEWS: Leitbetriebe sprechen von Abwanderung...
Raidl: Das ist sehr ernst zu nehmen. Jetzt ist noch die Chance, korrigierend einzugreifen. Ich würde die Manager der fünf wichtigsten Konzerne fragen, warum sie weggehen würden und dann Gegenmaßnahmen setzen.
Schaller: Das ist ein Alarmsignal. Wir müssen gegenüber anderen Unternehmen auch aus dem Ausland konkurrenzfähig bleiben, weil sonst andere unser Geschäft übernehmen.

NEWS: Wir sprechen über zigtausende Arbeitsplätze, die verloren gehen könnten. Was bedeutet es, wenn Leitbetriebe tatsächlich gehen?
Schaller: Wir brauchen ein Umfeld, das Wachstum möglich macht. Das ist für Leitbetriebe wichtig, aber auch für die vielen leistungsfähigen KMU. Sonst steigt die Arbeitslosigkeit weiter.
Raidl: Das wäre in jeder Hinsicht katastrophal. Die Industrie und das produzierende Gewerbe sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wir hätten sofort ein noch größeres Arbeitslosenproblem und ein Leistungsbilanzproblem.

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen NEWS in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als E-Paper-Version.

Kommentare

Willstduheute Mitmirschlafen

unfähige regierungsbank...die schauen nur aufs eigene sackerl...

Der Heini und der Clausi ... scho wider reißen 2 Oberschlaue die Pappn auf und unser Chrissi schreit glei mit! 60% Steuer zahlt in Ö keiner! und wenn sie ins Ausland gehen wollen - bitte sehr, auf nimmer wiedersehen, und vorher sollen sie gleich ihre Pässe abgeben!

Vergleich:
Griechenland, Spanien. Portugal ... haben sinkende Arbeitslosenzahlen und sinkende Staatsschulden.
Österreich: Strak steigende Arbeitslose, Rekordstaatsschulden und Rekordsteuerbelastung.
Wahltag ist Zahltag! (Solche Versager gehören rasch abgewählt bevor wir dort landen wo Griechenland war.)

Manfred Kremser Derpradler
Manfred Kremser Derpradler melden

natürlich ,die Sozialleistungen.....Pensionen sind SCHULD! Die Milliarden, die wir an korrupte Staaten spenden und an die Banken "verschenken", die EU- Beiträge von denen nur ein kleiner Teil wieder zurück kommt, die Börsengänge die, die Betriebe in die Hände der Finanzbanditen treibt....Die sogenannten Bilderberexperten werden erst Ruhe geben wenn wir am Existenzminimum angelangt sind

wintersun melden

Natürlich, die Gewinne werden in Form von exorbitanten Boni eingestreift und wenn das Glücksspiel daneben geht dann wirds einfach auf den Trottel von Steuerzahler abgewälzt.
Und dem Trottel von Steuerzahler erzählt man dan was von wegen "Gürtel enger schnallen" und "über die Verhältnisse gelebt" oder "schmerzhafte Zugeständnisse".
Ich teile Ihre Meinung vollkommen, unsere Nazi-Bilderberger werden erst Ruhe geben wenn wir vollkommen versklavt sind.

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